Gemeinsame Pressemitteilung von Toure Dramane und dem antiranet

Offener Brief des Flüchtlingsaktivisten Toure Dramane zu seinem vom Amt verordneten Zwangsumzug

Aktivist_innen und diejenigen, die als Sprecher_innen der Flüchtlinge auftreten und für ihre Grundrechte kämpfen, werden immer wieder zur Zielscheibe der zuständigen Behörden, welche für die Lebenssituation verantwortlich sind. Das ist jetzt auch in meinem Fall geschehen.

Nachdem wir als Flüchtlingsinitiative jahrelang für die Schließung des Lagers in Möhlau gekämpft haben, hat sich der Landkreis Wittenberg letztendlich dazu entschieden, das Lager zu schließen und eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge zu schaffen, verteilt über die größeren Gemeinden im Landkreis.
Die dezentrale Unterbringung war eine Forderung der Flüchtlinge und wurde von uns unterstützt, damit das Lagersystem abgeschafft und eine bessere soziale Integration möglich wird, und um der Isolation in den Lagern, die eine Vielzahl nicht wieder gut zumachender Folgen hat, entgegenzuwirken.

Als Sprecher der Flüchtlinge in Vockerode (Landkreis Wittenberg) bin ich wegen meines Engagements als Aktivist und Sprecher der Flüchtlinge derzeit Mobbing und Repression von Seiten der Ausländerbehörde und des Sozialamts im Landkreis Wittenberg ausgesetzt. Im Vergleich zu anderen Flüchtlingen unterliegt mein Leben im Moment noch größeren Einschränkungen und dem verstärkten Druck seitens der Behörden.
Trotz der Entscheidung des Landkreises für die dezentrale Unterbringung und einem umfangreichen Unterbringungskonzept ist bisher nicht klar definiert, unter welchen Umständen Flüchtlinge in eine eigene, selbstgewählte Wohnungen umziehen können.
Derzeit werden nicht alle Flüchtlinge gleich behandelt. Das Sozialamt schickt nur bestimmten Flüchtlingen Briefe, in denen es ihnen erlaubt wird, sich selbst eine Wohnung im Landkreis Wittenberg zu suchen.
Ich, Aktivist und Sprecher der Flüchtlinge, werde vom Sozialamt mit einem Zwangsumzug in eine kleine Einzimmerwohnung von 30 m² in Wittenberg bestraft. Aus offensichtlichen Gründen habe ich Angst davor, in Wittenberg zu leben und mir deshalb in Gräfenhainichen eine Wohnung gesucht, wo Freunde von mir wohnen. Die Wohnung ist außerdem günstiger als die in Wittenberg. Das Sozialamt hat mein Angebot, in die Wohnung in Gräfenhainichen zu ziehen, abgelehnt und will mich zwingen, nach Wittenberg zu ziehen. Da ich einen Umzug in die Wittenberger Wohnung ablehne, droht mir das Sozialamt nun mit der Räumung meiner aktuellen Wohnung am 10.10.2013 in Vockerode.

Offener Brief als pdf