Rassistischer Übergriff auf Flüchtling in Bitterfeld

Am 07.10.2013 wurde in Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt) der Flüchtling H., der an dem Protestcamp im August beteiligt war, angegriffen und verletzt.
Nachdem er im Kaufland in Bitterfeld einkaufen war und das Geschäft um ca. 15 Uhr verließ, wurde er auf dem Weg zum Bahnhof von hinten angegriffen und niedergeschlagen. Noch während H. am Boden lag, schlug der vermutlich aus rassistischen Gründen handelnde Angreifer mehrfach auf ihn ein, ohne dass H. sich wehren konnte. Umstehende Menschen, die der Verletzte um Hilfe bat und darum, die Polizei zu rufen, unternahmen nichts um ihm zu helfen.
Stattdessen näherte sich ihm, noch während er am Boden lag, eine junge Familie mit Kind, und stahlen ihm seinen Einkaufsbeutel mit Nahrungsmitteln im Wert von etwa 30 Euro. Schließlich suchte er Hilfe beim Personal der nahegelegenen Tankstelle, welches auf seine Bitte dann die Polizei rief.
Erst nach etwa einer Dreiviertelstunde kam die Polizei, nachdem das Tankstellenpersonal sie ein weiteres mal rufen musste.
Die Beamten vor Ort glaubten dem Angegriffenen nicht, dass ihm der Inhalt im Rucksack des Mannes, der ihm das Essen stahl, gehörte. Der Mann war als Schaulustiger am Tatort geblieben.

Es wurde ein Strafantrag gegen den Angreifer gestellt, der von der Polizei aufgegriffen wurde. H. erlitt eine schwere Prellung am Knie, eine Muskelzerrung im Arm, ein Schlagtrauma der Lunge, sowie leichte Prellungen der Rippen.

Für die viele Flüchtlinge und Migrant_innen in Deutschland gehören rassistische Beleidigungen sowie Androhungen von Gewalt bis hin zu tatsächlichen physischen Übergriffen zum traurigen Alltag. Die Mauer aus tief verwurzelten rassistischen Vorurteilen, Alltagsrassismus und Gewalt, die weite Teile der deutschen Mehrheitsgesellschaft gegen die sogenannten Fremden und Anderen erreichtet haben, zu durchbrechen, scheint nur schwer möglich.
Auch bleiben die meisten rassistisch motivierten Straftaten im Dunkeln und tauchen als solche nicht in den Statistiken auf, weil die Betroffene entweder aus Angst oder aufgrund schlechter Erfahrungen mit der Polizei rassistische Anfeindungen oder Übergriffe nicht anzeigen oder weil angezeigte Straftaten von Polizei und Behörden entpolitisiert oder z.B. als „Konflikte unter Jugendlichen“ dargestellt werden und somit nicht in der Statistik für rassistisch motivierte Straftaten auftauchen.

Auch im jüngsten, uns bekannten Fall ist unklar, ob er als rassistisch motivierte Tat erfasst oder ob der politische Hintergrund ein weiteres Mal unter den Teppich gekehrt wird.
Unsere Unterstützung gilt nicht nur H. sondern allen Menschen, die Opfer von Rassismus, ob auf der Straße, in den Lagern oder auf den Behörden geworden sind und werden.

Die Mauer aus Ablehnung, Ignoranz und Feindseligkeit ins Wanken zu bringen ist unser Ziel und gelebte Solidarität unser Mittel dem rassistischen Normalzustand eine Alternative entgegen zu setzen.

Antirassistisches Netzwerk LSA