Offener Brief des Heimbeirats Bernburg an den Landkreis

Liebe Kreistagsabgeordnete das Landkreises Saalekreis,

im Januar 2014 endet der Vertrag mit der AWO zur Unterbringung von Flüchtlingen in den Gemeinschaftsunterkünften in Bernburg. Deswegen ist es jetzt wichtig, sich für eine menschenwürdige Versorgung einzusetzen und ein neues Konzept zu beschließen.

Die Gemeinschaftsunterkünfte in Bernburg müssen geschlossen werden. Denn unabhängig davon, wer der Betreiber ist, bleiben dieselben Probleme: Es gibt keine Privatsphäre, weil der Hausmeister in die Zimmer kommt. Außerdem sind die Zimmer zu klein und müssen mit zu vielen Menschen geteilt werden. Die Frauen müssen in denselben Bädern wie die Männer duschen. Die meisten Bewohner, die dort länger leben, sind bereits psychisch krank oder haben körperlich Probleme.

Auch wenn jemand eine schwere, ansteckende Krankheit (z.B. Hepatitis B) hat, muss die Person trotzdem dieselben Räume wie die Anderen benutzen. Diese und weitere hygienische Missstände der Gemeinschaftsunterkünfte (z.B. Insektenbefall) erhöhen die körperliche und psychische Belastung aller Mitbewohner. Im letzten Jahr ist sogar ein junger Mitbewohner mit Asthma gestorben. Wir fragen uns, ob die Kakerlakenbekämpfung in der GU Bernburg tatsächlich für Menschen, insbesondere die unter einer Asthmaerkrankung leiden, ungefährlich ist.

Außerdem sind wir – besonders in den Kleinstädten Sachsen-Anhalt- den Bedrohungen und der Gewalt von Neonazis ausgesetzt. Dass dies auch in Bernburg ein Problem ist, zeigte sich erst vor zwei Wochen als eine Gruppe Neonazis einen türkischen Imbissbesitzer aufs Schwerste verletzten.

Aus diesen Gründen fordern wir erneut, dass zum Vertragsende im Januar 2014 die Gemeinschaftsunterkünfte im Saalekreis geschlossen werden und ein neues, menschenwürdiges Konzept für die Unterbringung beschlossen wird. Das neue Konzept sollte eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen – ähnlich wie in der Stadt Dessau – umsetzen. Dezentral heißt für uns, dass jeder Asylsuchende die Möglichkeit hat, sich eine private Wohnung zu suchen und bei der Wohnungssuche unterstützt wird.

Auch wenn Vockerode häufig als dezentral bezeichnet und gelobt wird, wohnen sehr viele Flüchtlinge in einem Gebäude (wie in einer Gemeinschaftsunterkunft). Außerdem liegt es weiterhin weit entfernt von Einkaufsmöglichkeiten, Schule und anderen wichtigen Einrichtungen. Die Verkehrsanbindung in die nächst größere Stadt Dessau ist ebenfalls sehr schlecht. Deswegen lehnen wir eine Unterbringung wie in Vockerode ab.

Um ein neues Konzept zur Unterbringung von Flüchtlingen zu diskutieren, möchten wir Sie hiermit am 5. November um 16 Uhr in den Clubraum der Gemeinschaftsunterkunft Bernburg (Teichweg 6) einladen.

Mit freundlichen Grüßen

Heimbeirat

GU Bernburg