Archiv der Kategorie 'Europa'

Thema Familiennachzug

Neuigkeiten in der umkämpften und instrumentalisierten Debatte um den Familiennachzug für Geflüchtete bzw. dessen Aussetzung.

Die gute Nachricht

Der Europäische Gerichtshof hat am 12.04.2018 geurteilt, dass ein unbegleiteter Minderjähriger, der während des Asylverfahrens volljährig wird, sein Recht auf Familienzusammenführung behält.

Ein solcher Antrag auf Familienzusammenführung muss jedoch innerhalb einer angemessenen Frist gestellt werden, d. h. grundsätzlich innerhalb von drei Monaten ab dem Tag, an dem der Minderjährige als Flüchtling anerkannt worden ist.
PM des EUGH dazu

Die Schlechte Nachricht

„Flucht aus Deutschland: Syrer gehen in die Türkei“
Syrische Flüchtlinge, die mit einem gültigen Aufenthaltsstatus in Deutschland leben, verlassen offenbar zunehmend die Bundesrepublik. Viele reisen illegal in die Türkei. Das haben gemeinsame Recherchen von Panorama und von STRG_F, dem investigativen Reporterformat von funk, ergeben. Als Grund nennen viele Syrer die erschwerte Familienzusammenführung. Da die Flüchtlinge kein Visum für die Ausreise in die Türkei erhalten, reisen sie auf zum Teil riskanten Routen dorthin, oftmals mit Hilfe von Schleusern.
Mehr Hintergründe dazu hier.

[GR] Grenzenlose Solidarität!

In den kommenden Wochen wird es in Griechenland drei Prozesse gegen Geflüchtete geben, die gegen die inhumanen Bedingungen in den Camps und Abschiebegefängnissen in Griechenland protestiert haben u.a. in Moria auf Lesbos und Petrou Ralli in Athen. Insgesamt sind 53 Personen angeklagt. Dazu kommt ein Verfahren gegen solidarische Aktivist*innen.

Prozessstart der Moria 35: 20. April, Chios
Verfahren gegen die No Lager 3: 23. April, Drama
Prozesstart gegen die Petrou Ralli 8: 27. April, Athen
Verfahren wegen der Riots im Juli 2017 in Moria: 11. Mai, Ort noch unklar

Grenzenlose Solidarität mit den Angeklagten! Zusammen gegen das Grenzregime!

Updates und Info-Material zum Selber-Ausdrucken findet ihr unter cantevictsolidarity.noblogs.org.

Um was gehts?

Moria 35+2
Am Dienstag den 18. Juli 2017 verließen protestierende Migrant_innen das Moria Lager und blockierten die Hauptstraße in unmittelbarer Nähe. Während sie außerhalb des Lagers Slogans riefen, wurden sie von Polizeikräften von innerhalb und außerhalb des Lagers aus mit Steinen, Tränengas und Blendgranaten angegriffen. Die Migrant_innen warfen Steine zurück auf die Polizei und starteten kleine Feuer. Nachdem Konflikt, das Lager Moria kehrte zurück zu “Normalität”, allerdings starteten die Polizeieinheiten eine Razzia innerhalb Morias. Die Migrant_innen mussten die Drohungen der Spezialeinheiten ertragen, welche die Container stürmten, alle die sich in ihren Weg stellten wahllos verprügelten, bis dann 35 Leute willkürlich ausgesucht und verhaftet wurden. Das einzige Kriterium welches die Polizei anwendete war die Hautfarbe, da sie ausschließlich schwarze Menschen verhafteten. Zwei weitere Menschen wurden im August verhaftet und weitere Dokumente wurden der Anklage vom 10. Juli 2017 hinzugefügt, auch Unruhen in Moria (ein weiterer Protest, welcher eine Woche vor dem Moria 35 Fall stattfand), deren Verhandlung findet am 11. Mai 2018 statt. Im Januar 2018 die einleitende Untersuchung für den Fall Moria 35 wurde abgeschlossen. Dreißig der angeklagten Migrant_innen werden weiterhin in vier verschiedenen Gefängnissen in Griechenland (Korydallos, Avlona, Chios, Malandrinos) Haft gehalten, und ihre U-Haft wurde nach einer neuen Entscheidung des juristischen Ausschusses von Mitilini für weitere 6 Monate verlängert. Die 35 angeklagten sind mit ernsten Anklagen konfrontiert welche viele Jahre Inhaftierung und Ausschluss vom Asylverfahren bedeuten. Genauer gesagt sie sind die Anklagepunkte:
1. Gemeinsame Brandstiftung mit dem in Kauf nehmen von Gefahr für Menschenleben
2. Gefährlicher physischer Schaden, versucht, wie auch durchgeführt, gegenüber der Polizei und der Feuerwehr, gemeinsam und wiederholt
3. Beschädigung von fremden Eigentum und Objekten des öffentlichen Interesses durch Brandstiftung, gemeinsam und wiederholt.
4. Widerstand von mehr als einer Person, welche ihre Gesichter vermummt hatten und potentiell gefährliche Objekte mit sich trugen.

Der Prozess der Moria 35 findet am 20. April auf der Insel Chios statt.
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Leben retten ist kein Verbrechen! Freiheit für das Open Arms Schiff!

Italien hält das Schiff der spanischen NGO Proactiva Open Arms, die sich der Rettung von Flüchtlingen, die über das Meer nach Europa fliehen, verschrieben habe, im Hafen von Pozallo fest. Wir fordern ihre Freilassung, denn alles, was sie tun, ist, das Leben von Hunderten von Menschen zu retten und damit die Menschenrechte zu sichern. So haben sie allein bis 2017 57.718 Menschen retten können. Wenn das Schiff nicht bald freigelassen wird, können keine Menschen mehr gerettet werden und es werden Unschuldige in diesen Gewässern sterben. […] Unterzeichne, um den spanischen Außenminister Alfonso Dastis dazu aufzufordern, den italienischen Justizminister Andrea Orlando aufzufordern, das Schiff freizulassen und die unbegründeten Anschuldigungen gegen die spanische Nichtregierungsorganisation Proactiva Open Arms fallen zu lassen.

Petition mitzeichnen

Wie dringend Seenotrettung weiterhin nötig ist, solange Europa sich immer weiter abschottet und das Mittelmeer zur tödlichsten Grenze wird, zeigt auch der aktuelle Bericht vom Alarmphone (auf englisch): „The Struggle of Women across the Sea“.

[Italien] Rettungsschiff der spanischen NGO „Proactiva Open arms“ beschlagnahmt

Die Kriminalisierung der selbstorganisierten und Menschenleben rettenden Seenotrettung geht in die nächste Runde. Das Schiff der spanischen NGO „Proactiva open arms“ ist nach der Juventa von „Jugend rettet“ das zweite Schiff, das durch die italienische Staatsanwaltschaft beschlagnahmt wurde.
Gegen drei Mitgliedern der NGO wird wegen Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung im Bereich der illegalen Einwanderung ermittelt. Die Open Arms hatte sich am Freitag geweigert, dem Hinweis der italienischen Küstenwache zu folgen, 216 Menschen an die libysche Küstenwache zu liefern. Diese hatte das Rettungsschiff und seine Crew mit Waffengewalt und Mord bedroht. Nicht der erste „Vorfall“ dieser Art, wie ein Bericht von CNN zeigt.
Auf die Weigerung von Open Arms hin, die Menschen an die lybische „Küstenwache“ auszuliefern, reagierten die italienischen Behörden erst mal mit dem Verbot, in Italien zu landen. Am Samstag wurde die Einfahrt in den Hafen Pozzallo erlaubt. Heute dann wurde das Schiff beschlagnahmt.

Am 26.April 2018 wird in Rom ein Urteil zur Juventa erwartet. Ob das Schiff von den Behörden wieder frei gegeben wird, bleibt mit Hinblick auf die Ereignisse der letzten Tage, ungewiss. Die Analyse und der detailierte Bericht der Forensic Oceanography, ein Teilprojekt der Forensic Architecture agency, legt deutlich nahe, daß die Vorwürfe gegenüber „Jugend rettet“ nicht haltbar sind.

#FreeOpenArms #FreeJuventa / Proactiva Open Arms
Seenotrettung ist kein Verbrechen!

Das Urteil stand schon vorher fest: Ahmed H. bleibt für das ungarische Regime ein Terrorist

Bericht vom Grundrechtekomitee

Ungarn behält seinen Terroristen. Am 14. März 2018 wurde in Szeged das Urteil gegen Ahmed H. aus dem voran gegangenen Prozess bestätigt. Der feine Unterschied: Statt zu zehn Jahren Haft wurde er nun zu sieben Jahren verurteilt.

Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung wurden vormittags gehalten, das Urteil folgte überraschenderweise bereits nach der Mittagspause. Das Urteil fällt in der Hochphase des Wahlkampfs für die Parlamentswahl am 8. April und einen Tag vor dem ungarischen Nationalfeiertag. Der Richter hatte sich offenbar entschieden, seine Karriere nicht aufs Spiel zu setzen, indem er in der Urteilsbegründung in großen Teilen der Anklage folgte. Seine zum Abschluss verlesene ausführliche Begründung berücksichtigte die Argumente von Ahmed H.’s Verteidiger nicht. Die geringere Strafe kam zustande, da Ahmed H. nachweislich die wütende Menge versucht hatte zu beruhigen und ein Ultimatum an die Polizei nicht belegt werden konnte.
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[15. März] Internationaler Tag gegen Polizeibrutalität

Aktionstag / KOP

DIE NORMALITÄT RASSISTISCHER POLIZEIGEWALT DURCHBRECHEN.

Am 15. März 2018 findet in Frankfurt am Main ein Aktionstag zum Internationalen Tag gegen Polizeigewalt statt. Ein Bündnis aus lokalen Initiativen und überregionalen Kampagnen wird rassistische Polizeigewalt im öffentlichen Raum sichtbar machen und institutioneller Rassismus kritisieren. Der internationale Gedenktag wird in Deutschland nach Berlin nun zum ersten Mal in Frankfurt am Main begangen und soll sich langfristig in Deutschland etablieren.
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[Ungarn] Flucht ist kein Verbrechen! Urteil im Prozess gegen Ahmed H.

Am gestrigen 14. März 2018 wurde Ahmed H. von einem ungarischen Gericht als „Terrorist“ zu sieben Jahren Haft verurteil. Er wird dagegen in Revision gehen. Den selben Schritt hat aber auch die Staatsanwaltschaft, die 17 Jahre Haft gefordert hat, angekündigt. Es ist mehr als offenkundig, dass die Anklage als auch das Urteil politisch motiviert ist und im Kontext der rassistischen Asyl- und Migrationspolitik Ungarns einzuordnen ist. Aber auch in anderen Ländern entlang der sogenannten Balkanroute werden immer mehr Geflüchtete kriminalisiert. Insbesondere, wenn sie sich gegen das europäische Grenzregime zur Wehr setzen. Mehr zu den Repressionen gegen Geflüchete im Interview hier anzuhören

Ahmed und seine Familie unterstützen:

WRITE LETTERS AND POSTCARDS TO AHMED H.!

Adress: Verein zur Förderung feministischer Projekte, Kleeblattgasse 7, 1010 Vienna, Austria

HELP WITH YOUR DONATIONS!

Please help Ahmed to finance his legal assistance and other expenses!

Donate on the crowfunding HERE!

Or by direct money transfer: Account holder: Rote Hilfe e.V. Ortsgruppe Frankfurt, Catchword: Röszke 11, IBAN: DE24 4306 0967 4007 2383 90, BIC: GENODEM1GLS​

Mehr Infos zu Ahmed freetheroszke11 / Facebook / Twitter

[Ungarn] #Nicht schuldig! Freiheit für Ahmed!

Der Schauprozess gegen Teil gegen Ahmed geht zu Ende:

Am 14. März sind die Plädoyers zu erwarten, am 19. März ist die Urteilsverkündung. Dies ist der richtige Moment, Solidarität zu zeigen und Ahmed im Gerichtssaal nicht allein zu lassen. Schauplatz ist das Gericht in Szeged (Széchényi tér 4.)

Seit 2,5 Jahren befindet sich Ahmed H. in Ungarn im Knast, er wurde 2016 dort als „Terrorist“ zu zehn Jahren Haft verurteilt.
Hintergrund des Urteils ist die Schließung der Balkanroute zwischen Serbien und Ungarn. In Ungarn trat zum15. September 2015 über Nacht ein Gesetz inkraft, das die »illegale Einwanderung« als Straftat mit bis zu fünf Jahren Haft kriminalisierte. Doch aus Serbien erreichten weiterhin tausende Menschen die Grenze und stauten sich dort. Auf heftige Proteste für das Recht auf Bewegungsfreiheit folgten Szenen von Polizeigewalt. Ahmed soll die Unruhen angeführt und die Polizei zum Öffnen der Grenze aufgefordert haben. Nach ungarischem Recht kann dies als „terroristischer Akt“ ausgelegt werden.

Mehr Infos dazu auf freetheroszke11 / Facebook / Twitter / Flyer mit mehr Infos

Interview mit einer Aktivistin der Free the Röszke 11 Kampagne anhören/ englisch / Interview / deutsch

Solidarität mit den von Repression betroffenen AktivistInnen des „March for Freedom“

Aufruf zur Prozessbeobachtung im Strafverfahren in Luxemburg am 27.2.2018 gegen Aktivist*innen des March for Freedom + Spendenaufruf

Der Prozess findet statt am Dienstag, 27. Februar um 15 Uhr, im Appelationsgerichtshof Luxemburg, Gebäude des Obersten Gerichtshof, Plateu du Saint Esprit, Sitzungsraum CR.0.19

Wir rufen auch zum Spenden für Fahrt- und Anwaltskosten auf! Wir brauchen 14,000€! Unsere Solidarität und kritische Öffentlichkeit gegen ihre rassistische und faschistische Repression!

Spendenkonto: “Protest March For Freedom”, Volksbank Fürstenwalde IBAN: DE23 1709 2404 0106 0289 77 , BIC: GENODEF1FW1

Interview zu den Hintergründen anhören

Das Refugee Movement schreibt:

Quelle

Fast vier Jahre nach dem europaweiten March for Freedom, welcher anlässlich der Europawahlen 2014 gegen die mörderischen Asyl- und Migrationspolitiken der EU organisiert wurde, sind immer noch 4 Aktivist*innen in Luxemburg-Stadt auf der Anklagebank.

Während eines Aktionstags am 5.6.2014 war es in Luxemburg auf dem Kirchberg zu 13 brutalen Festnahmen während einer Demonstration gekommen. Anlass war eine Tagung der EU-Innenminister*innen zum Thema „Kampf gegen illegale Immigration.“ Am besagten Tag hatte eine Delegation von Geflüchteten um Mitsprache bei der Innenministerkonferenz gebeten. Daraufhin kam es zu einem massiven Polizeieinsatz mit Reizgas, Schlagstöcken und Hunden ohne Maulkorb. Eine Aktivistin wurde von einem Hund gebissen und mehrere Teilnehmende erlitten Verletzungen durch Reizgas und Schläge. Verhaftete wurden auf der Wache misshandelt und rassistisch erniedrigt.

Der Einsatz brachte der Luxemburger Polizei heftige Kritik im eigenen Land. Auf Anordnung des Luxemburger Innenministeriums wurden alle 13 Verhafteten wenige Stunden später entlassen. Luxemburger Jurist*innen kritisierten in der Presse den „unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt“ seitens der Polizei. Ein Untersuchungsausschuss des Innenministeriums befasste sich daraufhin mit dem Einsatz.
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28.1.2018: Aktionstag für das #RechtaufFlucht!

Die Seenotrettungsinitiative Sea-Watch ruft auf:
„#RechtaufFlucht – Obwohl jeder Mensch das Recht hat, jedes Land zu verlassen, schränken Staaten und deren Institutionen dieses Grundrecht permanent ein. Organisationen der Seenotrettung und Geflüchtetenhilfe wollen sich am Sonntag gemeinsam mit Euch für das Recht auf Flucht stark machen. Unter dem Hashtag #RechtaufFlucht posten wir Beiträge in den sozialen Netzwerken und brauchen euren Support – postet eigene Beiträge, teilt und liket unsere Beiträge!“

auf Facebook
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[Röszke 11] Bericht von Ahmed H.s Prozessterminen am 8., 10. und 12. Januar 2018 in Szeged

Im Jahr 2016 wurde Ahmed in erster Instanz wegen der Proteste gegen die Grenzschließungen am serbisch-ungarischen Grenzübergang Röszke im September 2015 wegen “Terrorismus” zu 10 Jahren Haft verurteilt. Seit dem 8. Januar 2018 wird der Fall von Ahmed H. im Amtsgericht Szeged (Ungarn) in der Revisionsrunde wieder aufgenommen.

Grenzschließung in Röszke. Widerstand. Repression.

Am 15.September 2015 riegelte die ungarische Regierung den zu der Zeit hoch frequentierten serbisch-ungarischen Grenzübergang Röszke auf der Balkanroute mit einem Stacheldraht bewehrten Zaun und massiver Polizeipräsenz ab. Am Folgetag, dem 16.September 2015, kam es zu einem Protest der vielen Menschen, die ihren Weg Richtung Norden fortsetzen wollten und nun festsaßen.

Im Rahmen dieses kollektiven Widerstandes gegen die Abschottung durch den von Ungarn errichteten und von der EU-Politik unterstützten Grenzzaun, wurden elf Personen von der ungarischen Polizei festgenommen und mit dem Vorwurf des „illegalen Grenzübertritts“ und „Vandalismus“ inhaftiert. Zehn dieser als „Röszke 11“ bekannten Angeklagten wurden bereits 2016 zu ein bis drei Jahren Haft verurteilt und sind nun wieder frei. Lediglich Ahmed H., der seine Eltern über die Balkanroute begleiten wollte, jedoch selber bereits seit mehreren Jahren in Zypern lebt, sitzt seit nun mehr als zweieinhalb Jahren im Hochsicherheitstrakt eines Budapester Gefängnisses. Er muss sich gegen den Vorwurf des Terrorismus rechtfertigen – allein und weit entfernt von seiner Frau und seinen Kindern. Die rechte Fidesz-Regierung Ungarns, mit Orban als Staatsoberhaupt, nutzt den Prozess gegen Ahmed H., um ihre ausschweifende rassistische Propaganda gegen Geflüchtete im Land zu untermauern. Als Schauprozess mit nationaler Medienwirksamkeit wird an Ahmed H. ein Exempel statuiert und er selber zum „Prototypen“ eines vermeintlich „gefährlichen muslimischen Flüchtlings“ stilisiert, der eine Terrorgefahr für den ungarischen Staat darstellt.

Den ganzen Bericht aus dem Gerichtssaal lesen

Ein Blick zurück: Interaktiver Zeistrahl zur Balkanroute 2015/2016

Der Zeitstrahl wurde erstellt von Marc Speer von Bordermonitoring.eu für das Ausstellungsprojekt „yallah!? über die Balkanroute“

Kinder auf der Balkanroute

Vor etwas mehr als zwei Jahren, am 18. November 2015, begann die schrittweise Schließung der sogenannten Balkanroute: Slowenien schloß seine Grenzen für alle Geflüchtete, die nicht aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak kamen. Wenig später übernahmen Kroatien, Serbien und Mazedonien in einem quasi Dominoeffekt diese Praxis der Segregation. Tausende Menschen blieben auf der Route oder in Griechenland stecken. Dies stellte einen dramatischen Wendepunkt im langen Sommer der Migration dar. Dieser war ein historisch einmaliger Zeitraum in der Nachkriegsgeschichte Europas, in dem es Geflüchteten möglich war über einen quasi legalen und einigermaßen sicheren Fluchtkorridor nach Zentral- und Nordeuropa zu gelangen. Keine vier Monate später, im März 2016, waren dann die Grenzen für alle Schutzsuchenden, egal woher, dicht. Und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Wie sieht die Situation entlang der Balkanroute für Geflüchtete und insbesondere für besonders Schutzbedürftige, also Kinder und Jugendliche, zwei Jahre später aus?

Vorallem in Griechenland, das seit sieben Jahren mit einer massiven Wirtschaftskrise und all seinen Folgen zu kämpfen hat, leben hunderttausende Geflüchtete in unhaltbaren und menschenunwürdigen Bedingungen in Lagern auf den Inseln und auf dem Festland, oft schlecht versorgt und ohne Aussicht auf eine Besserung der eigenen Lebenesperspektive. Vorallem für Kinder, Jugendliche und unbegleitete Minderjährige ist das eine katastrophale Situation. Die Arte-Dokumentation „Die vergessenen Kinder Europas“ schildert diesen Zustand eindrücklich. Film anschauen.
Auch sitzen Tausende Menschen in Griechenland fest, obwohl sie einen Rechtsanspruch auf Familienzusammenführung haben. Von den 4948 Personen, die in diesem Jahr nach Auskunft des Bundesinnenministeriums eine Erlaubnis des Bamf erhielten zu ihren Familien nach Deutschland zu kommen, waren im September erst 322 auch eingetroffen. 60 Prozent der Betroffenen sind minderjährig. Die Familienzusammenführung wird seit Monaten durch deutsche, wie griechische Behörden willentlich verschleppt, wie ein geleakter Brief von Mai 2017 offenbart.
Zweitgleich diskutiert die Bundesregierung, vorneweg die christlichen Parteien CDU/CSU, den Familiennachzug nach Deutschland komplett auf Eis zu legen und nicht wie ursprünglich geplant im März 2018 wieder einzusetzen. Dabei bedienen sich die Parteien hypothitischer Zahlen, die bei bis zu 700.000 Menschen liegen, die über den Familiennachzug dann 2018 nach Deutschland kämen. Damit wir einmal mehr willentlich die Angst vor einer unkontrollierbaren „Masseneinwanderung“ geschürrt. Tatsächlich würde der Familienachzug es ca. 60.000 Menschen, vorallem Frauen, Kindern und unbegleiteten Minderjährigen, endlich ermöglichen zu ihren Angehörigen nachzukommen. Sie sitzen zum Teil seit über zwei Jahren in Kriegsgebieten, in der Türkei oder auf der Balkanroute fest.
Dagegen muss protestiert werden! Petition mitzeichnen

Und trotz der geschloßenen Grenzen versuchen täglich Menschen weiterhin dem Krieg und der Not in den Herkuftsländern, aber auch in den Transitländern, zu entkommen. Darunter auch Familien und Kinder. Dabei kam es in der Nacht zum 21. November 2017 zu einem tödlichen Unfall. Die gerade einmal sechsjährige Madina starb an der serbisch, kroatischen Grenze. Ihr Bruder Rashid (15 Jahre) berichtet:

„We were walking through Croatia for about two hours when the police caught us and said we had to go back to Serbia. We were 8 people on that night, Nov 20/21.. It was dark and we were tired. My mother asked if they can let us spend the night, because we were travelling with my two baby brothers one 3 years old, the other 1 year 6 months old.
The police said took us to the train tracks and there was no light. No one said anything about the train, no one warned us. We didn’t know. We were walking and suddenly we heard the sound of the train. We all jumped aside – all, except Madina. The train stopped, and in the light, I saw her lying with her face downwards. I went to her, raised her head and saw blood. I picked her up and took her in my hands.
The police came and I sat in the police car with Madina, while the rest of the family was outside. I don’t know if she was dead or alive, but I think that she was dead. After some time, the ambulance came and they took Madina. We wanted to go, my mother especially, but they didn’t let us. They did not tell us where they took her at first.
Then my mother went asking: Where is my baby? And we wanted to go to Zagreb to wait for news about Madina. The police told us that Madina was taken to Belgrade hospital and we decided to go to Belgrade. But when we arrived in Belgrade, we asked again, and they said that Madina was not there.“ Quelle

Mehr Hintergründe dazu (auf Englisch)

Dies sind nur Schlaglichter auf die komplexe und verzweifelte Lage von Menschen, die kamen um Schutz für sich und ihre Familien zu suchen und die statt dessen mit voller Wucht die tödlichen Folgen der europäischen und deutschen Abschottungspolitik erfahren müssen. Wir dürfen nicht wegschauen, zwei Jahren nach den Willkommensrufen an deutschen Bahnhöfen!

Türkische Familie auf der Flucht vor Erdogan gestorben

„Wir haben die Lichter gesehen“

dtj-online Politik / 22. November 2017 13:51

Die Geschichte einer türkischen Familie, die vor politischer Verfolgung aus der Türkei fliehen wollte und dabei im ägäischen Meer ums Leben gekommen ist, hat auf internationaler Ebene eine Welle der Solidarität ausgelöst. Die Familie Maden ist somit die erste Familie, die auf politischer Flucht aus der Türkei verstorben ist. Nach Angaben eines türkischen Exil-Journalisten in Griechenland, handelt es sich bei den Verstorbenen um den Physiklehrer Hüseyin Maden (40), die Grundschullehrerin Nur Maden (36) und die Töchter Nadire (13) und Nur (10) sowie den Sohn Feridun (7).

Die Familie ist nach Angaben von Verwandten unmittelbar vor der griechischen Insel Lesbos gewesen, als sich das große Unglück ereignete und ihr Boot kenterte. Hüseyin Maden, der Familienvater, und die Ehefrau Nur Maden gehören zu den Zehntausenden Lehrern, die vom Staatsdienst entlassen worden sind. Anschließend wurde gegen Hüseyin Maden und seine Ehefrau Nur Maden ein Verfahren wegen der „Zugehörigkeit zu einer Terrororganisation“ eingeleitet. Die Befürchtung, dass Mutter und Vater gleichzeitig verhaftet und die kleinen Kinder dann in irgendein Jugendheim gesteckt werden, hat die Familie zu dem schwierigen Schritt verleitet, aus dem Land zu flüchten.
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Spendenaufruf für Familie K.

von no lager halle und Medinetz Halle

Ein Jahr nach unserem ersten Spendenaufruf für die Familie K., damals lebten sie in Deutschland, wenden wir uns wieder an euch und Sie und bitten um Unterstützung! Heute lebt Familie K. nach einem langen Kampf mit den deutschen Behörden wieder in Serbien. Wir wollen sie weiter unterstützen, denn an ihrer schwierigen Lebenssituation dort, die auch ursprünglich zu ihrer Flucht nach Deutschland führte, hat sich wenig geändert.

Konkret benötigt Familie K. Spenden für folgende Anliegen: für die medizinische Versorgung, insbesondere der Mutter der Familie, sowie für die Renovierung des kleinen Hauses, das die Familie mit Hilfe von Spenden kaufen konnte.

Im nachstehenden Text möchten wir die Geschichte der Familie der letzten zwei Jahre nachzeichnen und Einblick in die Zusammenhänge und Wirkungsweisen systematischer Ausgrenzung, Flucht vor Armut und deutscher Asylpolitik geben.

Im Vorfeld aber möchten wir zuerst von Mutter K. ein riesiges Dankeschön an alle SpenderInnen übermitteln, welche der Familie in der Vergangenheit finanziellen Rückhalt in ihrer schwierigen Lage geboten haben!

Spendenkonto

Verein zur Förderung antirassistischer Arbeit in Sachsen-Anhalt
IBAN: DE76 8005 3762 1894 0553 02
BIC: NOLADE21HAL
Betreff: Familie K Oktober 2017
Eine Spendenquittung können wir Ihnen nicht ausstellen.

Spendenaufruf und mehr Infos als pdf lesen