Antirassistisches Netzwerk Sachsen-Anhalt http://antiranetlsa.blogsport.de Sun, 24 May 2020 19:42:37 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en [Bernburg] Offener Brief einer Geflüchteten http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/05/24/bernburg-offener-brief-einer-gefluechteten/ http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/05/24/bernburg-offener-brief-einer-gefluechteten/#comments Sun, 24 May 2020 19:42:37 +0000 Administrator News Sachsen-Anhalt http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/05/24/bernburg-offener-brief-einer-gefluechteten/ Offener Brief einer Bewohnerin eines Lagers für Geflüchteten in Bernburg über ihre dortige Lebenssituation und über ihre Erfahrungen mit der rassistischen Praxis der sogenannten Gutscheine auf ihr Leben und ihre Gesundheit

Brief als pdf auf Deutsch und Englisch

[Englisch below]

Bernburg, 22. April 2020

Hallo liebe Leser*innen!

Ich bin eine Geflüchtete, die zurzeit in einer Unterkunft in Bernburg (Saale) lebt. Worüber ich in diesem Text schreiben möchte ist Unterbringung und Versorgung, unser ganz alltägliches Leben halt. Doch zunächst will ich erst einmal den deutschen Behörden dafür danken, dass sie uns in ihrem Land aufgenommen haben und ihr Bestes tun, um uns Zufriedenheit und unser Lächeln zurück zu bringen. Jedoch möchte ich hier ein paar Schattenseiten bezüglich der Bereitstellung humanitärer Hilfe benennen. Ich werde dabei aus einer persönlichen Perspektive sprechen, ebenso aber auch verallgemeinern, da es scheint, dass viele meiner Sorgen auch von anderen geteilt werden.

Was das Wohnen betrifft, haben wir Unterkünfte in einem Industriegebiet bekommen, das sehr weit vom Stadtzentrum entfernt liegt. Dort gibt es kaum Busse, um in die Stadt zu fahren und Einkäufe zu erledigen. Die Unterkunft hat insgesamt fünf Etagen, einschließlich des Erdgeschosses, in dem die Mehrheit der Frauen leben: Sieben Alleinstehende, davon drei mit Kindern jünger als ein Jahr, sowie zwei Paare, die jeweils ein Kind haben, ein dreijähriges Kind und ein Kind von drei Monaten. Auf der ersten Etage lebt eine Dame mit ihrem fünf Jahre alten Sohn. Sie ist dabei umgeben von Männern, deren Moralvorstellungen mehr oder weniger akzeptabel sind. Auf der zweiten Etage lebt ein weiteres Paar mit drei kleinen Mädchen, von denen das älteste jünger als fünf ist. Diese sind ebenfalls von Männern umgeben, was recht schwierig ist. Kleine Mädchen in der Gegenwart eines Aufgebotes von Männern, das ist keineswegs vorsichtig!

Die Räume für die Frauen sind zu eng. Wir können kaum atmen und es ist schwer für uns, unser Eigentum wie z.B. Küchenutensilien aufzubewahren oder uns frei zu bewegen. Dennoch danke ich Gott dafür, ein Dach über den Kopf zu haben, auch wenn es schmal ist. Die Mütter der Kinder klagen über zu wenig Platz für die Babies, die sich nicht amüsieren und den ganzen Raum entlangkrabbeln können ohne sich an den vielen Dingen auf dem Boden anzustoßen. Auch das Spielzimmer, das für die Kinder bereitgestellt wird, ist zu klein. Nicht mehr als drei Kinder passen dort rein. Es gibt Gemeinschaftstoiletten, die von allen Erwachsenen, aber auch mit den Kindern geteilt werden, die dort auch duschen sollen. Die Räume für die Männer werden von drei bis vier Personen geteilt.

Bezüglich der Versorgung, und damit meine ich Ernährung, lässt sich sagen, dass es Asylsuchende gibt, die ich privilegiert nennen würde, und andere, die weniger Glück haben. Ich gehöre zu letzteren. Die „Privilegierten“ sind jene, die stets sämtliche Vorteile auf deutschem Boden genießen. Sie erhalten insgesamt 320 € als Alleinstehende und 530 € oder mehr als Frauen mit minderjährigen Kindern, je nach Anzahl der Kinder. Dieses Geld erlaubt es ihnen, ihre Bedarfe zu decken, auch wenn sie es nicht ausreichend finden. Die „Unglücklichen“ jedoch erhalten von den Sozialarbeiter*innen Gutscheine in Höhe von 157 €. Diese Gutscheine sind nüchtern gesagt Lebensmittelscheine: sieben in Höhe von 20 € und einer in Höhe von 17 €. Sie dienen nur dazu, um Essen zu kaufen, mehr nicht. Es reicht höchstens noch für Seife oder Körpercreme. Davon abgesehen können wir nichts damit kaufen, nicht einmal Töpfe oder Löffel, Gabeln oder Teller. Deshalb ziehen es einige lieber vor, die Gutscheine in Arabischen Läden (ich hoffe das ist kein abwertender Ausdruck) für einen sehr schlechten Preis von 12 € pro Stück zu verkaufen. Das macht 87 € für acht Gutscheine. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass du dich mit 87 € wiederfindest, mit denen du den ganzen langen Monat überleben sollst.

Kurz gesagt, mit diesen Gutscheinen kannst du nicht mal einen Bus bezahlen, um zu Einkaufsläden zu fahren oder in das Krankenhaus zu gehen, wenn du dort einen Termin hast. Aufgrund dieser prekären Lage bevorzugen es einige, ihre Gutscheine bei den Arabern einzutauschen, natürlich unter der Bedingung, dass diese, je nach Laune, das Geschäft auch mitmachen. Mit den Gutscheinen können wir keine Mäntel kaufen, um uns im Winter gegen die Kälte und damit vor Krankheiten zu schützen, und ebenso auch keine Sommerkleidung. Und für uns Frauen, um es ganz direkt zu sagen, ist es auch nicht möglich, sich Unterwäsche zu kaufen, wenn es notwendig ist.
Der Gipfel von alldem ist erreicht, wenn diejenigen mit Gutscheinen zum Krankenhaus gehen und die Ärzt*innen ihnen rezeptfreie Medikamente verschreiben, die sie selbst zahlen müssen, es aber nicht können, weil sie kein Geld haben. Ich werde hier über meinen eigenen Fall berichten. Mir ist es manchmal passiert, dass ich für Medikamente über 100 € bezahlen musste, weil es sich hierbei um rezeptfreie Medikamente handelte, die, wie der Arzt mir sagte, nicht von der Krankenversicherung gezahlt werden. Sagt mir, wie soll ich mit so einer Situation umgehen wenn ich kein Geld habe? Das hat mich direkt in eine völlige Depression stürzen lassen. Wenn du zu einer Gynäkologin gehst, teilt sie dir mit, dass die Behandlung 30 € kostet. Geld, das du nicht hast. Was machst du in so einem Fall? Du kehrst völlig entmutigt zurück und gehst mit all den Schmerzen nachhause.
Ich möchte auch darauf hinweisen, dass Gutscheine in der Regel an Personen gegeben werden, die als Dublin-Fälle gelten (die Deutschen nennen das gemeinhin “Duldung”). Das heißt, dass diese Menschen aufgefordert wurden in das erste Land zurückzukehren, das sie im Schengen-Raum oder in der Europäischen Union betreten haben, dies aber von ihnen aus persönlichen Gründen abgelehnt wird. Mit den Gutscheinen wird bezweckt, sie zu entmutigen und dazu zu bewegen, in das Erstland zurückzukehren. Aber ist diese Praxis die richtige Methode? Ich würde sagen nein, denn von den Betroffen gibt es viele, die dringende Bedarfe physischen und medizinischen Überlebens haben, die zugunsten derer ignoriert werden, die keine Sorgen haben und für ihr tägliches Überleben nichts weiter als als Essen benötigen. Welch ein Unrecht es ist, zu wissen, dass du wegen einer Duldung auf Sparflamme gehalten untergehen kannst und niemand schert sich darum. Meiner persönlichen Einschätzung nach sind Gutscheine kein geeignetes Mittel dafür, um Personen, die nicht gehen wollen, zu einem Umdenken zu bewegen. Denn ihr werdet mir sicherlich zustimmen, dass sich diese immer in einen Zustand befinden, wo ihr manchmal Gewalt anwenden müsst, um sie gegen ihren Willen zu deportieren – und zwar auf animalischste Art und Weise, ohne Respekt für die Würde des Menschen.
Eine Person, die den Wunsch verspürt zu gehen, wird in der Lage sein das selbstständig zu tun. Selbst wenn du ihr alles Gold der Welt gibst, wird sie von dem Moment an, wo sie keinen Bezugspunkt mehr hat oder sie ihre Ziele nicht mehr verwirklichen kann, von sich aus gehen. Dabei ist zu betonen, dass sich das Glück nicht auf materiellen Wohlstand beschränkt, sondern von den Gefühlen eines jeden Einzelnen ausgeht. Ein Beleg dafür ist, dass selbst jene, die jeden Monat eine Summe von 320 € erhalten, fortfahren, sich über die Unmenschlichkeit der Sozialarbeiter*innen in Bernburg/Saale und ihre ganze Clique zu beschweren. Dies betrifft auch die Ausländerbehörde, die glaubt, dass ein Ausländer kein menschliches Wesen sei, dass respektiert und unterstützt werden muss oder, schlimmer noch, sie halten sie für Untermenschen. In ihren Blicken kannst du Hass, Missgunst und eine völlige Ablehnung des anderen sehen. Ich prangere hier die Zuwanderungspolitik von Bernburg/ Saale an; Denn, sie begünstigt diejenigen wendiger, die Hilfe brauchen, wie z.B. Kranke, Intellektuelle, Facharbeiter und Personen, die mit großen Projekten kommen und dabei helfen, die deutsche Wirtschaft wachsen zu lassen. Stattdessen privilegiert sie diejenigen, die jeden Monat 320 € bekommen und bewusst oder unbewusst, monoton und nachlässig leben und sich keine Mühe machen eine Arbeit zu finden oder die deutsche Sprache zu lernen. Demgegenüber können jene, die sich unterscheiden wollen, nicht von dem Wohlwollen der Behörden profitieren, sie sind so genannte Dublin-Fälle.
Was ist der Wert einer Person ohne Dublin-Verfahren, für die Deutschland volle Verantwortung trägt, aber der Gesellschaft über keinen Dienst erweist? Er ist höher als der einer Person in einem Dublin-Verfahren, die aber einem fundierten Hintergrund hat, die ein Diplom besitzt, als Ingenieur*in, Mediziner*in oder auch Pfleger*in, was im Übrigen bei mir der Fall ist. Eine Person also, die mehr zu der deutschen Gesellschaft beitragen und Verantwortung übernehmen kann, die ihre Steuern und Versicherung zahlt ohne dabei von irgendjemanden etwas zu erwarten?

Diese qualifizierten Arbeitskräfte zum Nachteil anderer auszuweisen tötet die deutsche Wirtschaft, die mehr verdienen würde, wenn sie empfängt als wenn sie gibt. Ohne kompromisslos erscheinen zu wollen, beziehe ich Menschen, die schwer krank oder älter sind und ihre Arbeitskraft nicht nutzen können, um sich um sich selbst kümmern, hier nicht ein. Eine Person mit Dublin ist ein*e Märtyrer*in, die keinen Schlaf findet, immer gestresst ist, und aus Angst davor, am Morgen festgenommen und an einen unbekannten Ort deportiert zu werden, in ihrem Zimmer kaum schlafen kann. Sie hat kein ruhiges Bewusstsein, hat Angst in ihrem Zimmer zu essen und manchmal sogar sich umzuziehen, da sie stets eines Tages von der Polizei überrascht werden könnte. Kurz gefasst: Sie lebt in ihrem Zimmer wie Verbrecher. Sie ist stets wachsam, da sie jederzeit der Polizei gegenüberstehen könnte, die für gewöhnlich ohne Ankündigung kommt und dir nicht mal Zeit lässt, um deine Taschen zu packen. Was nützt dir also ein Raum, wenn du dich dort nicht aufhalten kannst. Was nützen einem Gutscheine, wenn du nicht einmal das Essen, das du damit kaufst, zubereiten und essen kannst, weil Mitten in der Küche die Polizei auftauchen und dich verschleppen wie ein Expresspaket. Selbst ein Expresspaket muss vorher vorbereitet werden.

Schlussendlich, was bringt es dir, allen Wohlstand dieser Welt zu haben, wenn du kein ruhiges Gewissen hast, wenn du keinen Frieden findest in deinem Geist und deiner Seele? Lasst uns menschlich sein und lasst uns lieben mit wahrhaftiger und ehrlicher Liebe. Lasst uns unsere nächsten mit der höchsten Wertschätzung behandeln, die es braucht um eine Welt zu machen. Eine einzelne Hand kann das Paket nicht festbinden.

Abschließend möchte ich sagen, dass ich euch mehr als alles andere liebe und noch einmal meine tiefe Dankbarkeit für das was ihr bereits für mich getan habt zum Ausdruck bringen. Ohne eure Empfindsamkeit zu verletzen, möchte ich eure Aufmerksamkeit lediglich auf eine paar kleine Details lenken, die vielleicht manchmal etwas vernachlässigbar erscheinen. Ich wünsche mir, dass ihr euch alle auch weiterhin gut gegen die Covid-19 Pandemie schützt, sodass wir daraus alle als Gewinner*innen und gut erwachen heraus gehen.

Open letter a resident of a shelter for refugees in Bernburg about her living situation there and about her experiences with the racist practice of so-called vouchers on her life and health

Bernburg, 22. April 2020

Hello dear readers!

I am an asylum seeker living in Bernburg (Saale) in a residence for foreign residents. What I would like to talk about in this text today is accommodation and alimentation, in short, our everyday life. Before doing so, I would like to thank the German authorities that have received us in their country, and who are doing their best to satisfy us and give us back our smile. However, I would like to mention a few darker points in the process of humanitarian aid. I am going to speak in a personal way, but also in a general manner because my concerns seem to be shared by others as well.

Concerning accommodation, we are benefiting from housing here in an industrial area that is very far from the city center. We hardly find a bus to go downtown and do our shopping. The residence is a house of 5 floors, including the ground floor where the majority of women live. More precisely, these are 7 single women, three of which have children of less than one year of age and two couples, each with one child, the bigger one 3 years old and the smallest one 3 months. On the first floor, a lady of 38 years is living with her 5-year-old son, both surrounded by men whose morals are more or less acceptable. On the second floor, there is another couple with three small girls, of whom the oldest one is less than 5 years old. They are surrounded by men as well, which is not very comfortable. Small girls in the presence of an array of men, that’s not prudent!

The rooms for women are too narrow. We can hardly breathe and we have difficulties to store our belongings such as kitchen utensils or to move inside without difficulties. But I am grateful to God for having a roof, even if it is narrow. The mothers of children complain about lack of space for their babies who do not manage to crawl without colliding with too many things in their way; they cannot amuse themselves to crawl the full length of the room. The playing room is reserved for children and it is also too narrow. Not more than three children can use it at the same time. The toilets are shared by the adults as well as the children who all take their showers there. Three or four men share one room.
Shortly, with these vouchers, you can not even pay for the bus to go to the shops or the hospital if you have an appointment there. This precarity is why some prefer to change their vouchers into liquid money with the help of the Arabs; of course, under the condition that these accept the deal which depends on their mood. With the voucher we cannot buy coats to protect ourselves against the winter cold, in order to avoid illness, or to afford summer clothing. Strictly speaking, as women we are incapable of buying underwear when it is necessary.

The height of this is reached when those who have ‘Gutscheine’ go to the hospital and the doctors prescribes them private recipes, which they have to pay themselves: I this case they are unable to buy medicine because they do not have money.
I am going to speak about my own case here. Sometimes it happened that I had to pay more than 100 € for medicaments, because they were private prescriptions that cannot be paid by my social insurance, as the doctor told me; Between you and me: how am I to deal with this situation without money? It draws me directly into a total depression. Sometimes you go to the gynecologist and she lets you know that you have to pay for the consultation yourself and that it costs €30 which you don’t have. What do you do in such a case? You return totally discouraged, and you make your way home with all your pains.

I would also like to recall that the ‘Gutscheine’ are usually given to people who are Dublin cases (the Germans generally call that ‘Duldung’). This means that these persons are supposed to return to the first country they were received within the Schengen space or the European Union but they refuse to go there because of personal reasons. The purpose of the ‘Gutscheine’ is in fact to discourage them so that they give up and decide to return there. But is it the right way to do so? I would say no. Because there are people who have pressing and urgent needs of physical and health survival that are neglected favoring those who do not have any sorrows and ask for nothing except to eat in order to make their day. What an injustice to know that because of ‘Duldung’, you can deteriorate on small flame without any attention being attributed to it! According to my personal analysis,
I don’t think that the ‘Gutscheine’ are the adequate method to make people who don’t want to leave change their mind; because you certainly agree with me that they are always in a state where you are sometimes obliged to use violence in order to deport them against their will – and in a way you only treat animals, without respect for human dignity.
A person who feels the desire to leave will be able to do so herself/himself. Even if you give her/him all the gold in the world, from the moment on that she/he does not find her reference point or that she/he does not reach her/his objectives, she/he will leave on her own initiative. Which comes down to stating that happiness is not limited to material wealth but depends on everyone’s own feeling. The proof is that even those who receive the sum of 320 € every month continue to complain about the inhumanity of the social workers in Bernburg/Saale and their whole gang, including the immigration service which is not at all welcoming. They believe a foreigner is not a Being that has to be respected or promoted; even worse: they consider them subhuman. In their glares you can read hate, resentment, and the total reject of the other. I am decrying the immigration policy of Bernburg Saale here; because it favors less those who have needs, like ill people, intellectuals, professional workers, and people who have big projects in the future to make the German economy grow. It privileges those who take pleasure in receiving €320 and live consciously or unconsciously, monotonously, in laxity, and who do not bother to move in order to find work or even learn the German language. On the contrary, those who have the will to distinguish themselves do not benefit from the authorities’ benevolence; they are on so-called Dublin.
What is the worth of a person without Dublin who is totally in Germany’s charge but does not serve the society at all? More than a person with Dublin but with a well-founded background who has a diploma, as an engineer, a qualified doctor, or a nurse which is by the way my own case. A person that can bring more to the German society and take responsibility for herself, pay her taxes and insurances without asking from no one?

Rejecting this qualified workforce at the expense of others is killing the German economy which would gain more to receive than to give. Without wanting to appear uncompromising, I do not include people who are seriously ill or elderly, who cannot invest their forces in work to take care of themselves. A dublinized person is a martyr, who does not find sleep, always stressed, who hardly sleeps in her/his room, out of fear to be arrested early in the morning to be deported to I-don’t-know-where. The dublinized don’t have a calm conscience, are afraid of eating in their own room, are sometimes even afraid to dress themselves in their room out of fear to be surprised by the police one day. Shortly, he lives like a bandit in his own room. He is always vigilant because he could be confronted at any moment by the police who usually come without announcing themselves and don’t even give you time to pack your bags. What use is a room if you cannot stay there? What use is it to have the ‘Gutscheine’ if you cannot even prepare the food that you are buying and eat it because the police can even turn up in the middle of the kitchen and pick you up like an express parcel to be expediated? Even an express parcel has to be prepared beforehand.
Finally, what use is it to have all the wealth in the world if you don’t have a calm conscience, if you do not have peace of the mind and the soul? Let’s be human and let’s love with true and sincere love. Let’s treat the other with much esteem because it needs everything to make a world. A single hand cannot fix the parcel.

To finish, I would say that I love you more than everything and I repeat my profound gratitude for what you have already done for me. Far from offending your sensitivity, I would like to attract your attention to some small details that might seem neglectable sometimes. I wish you all that you continue to protect you well against this pandemic covid-19 so that we all get out of this as winners and well mature.

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[Saalekreis] Bitte um Hinweise http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/05/20/saalekreis-bitte-um-hinweise/ http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/05/20/saalekreis-bitte-um-hinweise/#comments Wed, 20 May 2020 20:38:36 +0000 Administrator News Sachsen-Anhalt Bundesweit http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/05/20/saalekreis-bitte-um-hinweise/

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Spendenaufruf für einen temporären Schutzraum http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/05/20/spendenaufruf-fuer-einen-temporaeren-schutzraum/ http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/05/20/spendenaufruf-fuer-einen-temporaeren-schutzraum/#comments Wed, 20 May 2020 20:35:45 +0000 Administrator News Sachsen-Anhalt Bundesweit http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/05/20/spendenaufruf-fuer-einen-temporaeren-schutzraum/ Mit diesem Aufruf ersuchen wir eure Unterstützung finanzieller Art! Neben dem, wofür wir sowieso immer gut und gerne Geld gebrauchen können (siehe Text), haben wir gerade eine grössere Summe zu begleichen. Dabei handelt es sich um Ausgaben, die wir für temporäre Schutzräume und Versorgung aufbringen wollen und müssen, und wenn es mehr wird was zusammenkommt, für ähnliche Anliegen verwenden möchten.

Bevor wir auf das konkrete Anliegen zu sprechen kommen, möchten wir den Gesamtkontext genauer darstellen.

Kurzer Exkurs zum Thema Lagerunterbringung:

Die Situationen in den Lagern zur Unterbringung von Menschen, ist seit deren Erfindung schon immer höchst problematisch. Und dabei ist es egal aus welchen vermeintlichen Gründen die Menschen in solche Einrichtungen gesteckt werden, die Zwecke sind dabei entscheidend, und diese sind selten, nein, nie vollends vertretbar. Zu diesem Thema gibt es schon viele Texte und im Verlauf der Pandemie wird noch ein mal mehr deutlich, wie berechtigt die seit jeher bestehende Kritik an diesem Umgang mit Menschen ist.
Für diesen Aufruf von Bedeutung, ist das Thema Gewalt in diesem Zusammenhang. Gewalt. Sie ist dem Konzept immanent und für die betroffenen Menschen allgegenwärtig. Gewalt im Kontext Lager weist verschiedene Facetten auf, und die Menschen gehen unterschiedlich mit ihr um. Darin enthalten ist auch noch mal eine gewisse Abstufung, da jeweilige Personengruppen und Einzelpersonen noch mal mehr durch die verschieden auftretenden Formen von Gewalt unterschiedlich betroffen sind und sein können. Dabei besonders hervorzuheben sind sog. vulnerable Personen(gruppen). Dazu zählen u.a. Kinder und (alleinstehende) FLINT*-Personen, Menschen mit Beeinträchtigung, und andere, meist von einem Mehr an Diskriminierung betroffene Menschen.
Alle Menschen sollten selbstbestimmt leben und wohnen können, doch bis dahin, sollten vor allem genannte Menschen sofort aus diesen Zuständen raus. Und lediglich einzelne Menschen dabei unterstützen zu können für immer da raus zu kommen, ist zumeist den dazu gegebenen Möglichkeiten geschuldet, und wie in diesem Aufruf zugrundeliegendem Fall einer akuten Gefahr und der versuchten und erst mal geglückten Abwendung weiteren Leids entsprungen – wobei es passiert, das Handeln und Möglichkeiten sich der Situation anpassen, und über sonstige Gegebenheiten hinaus gehen können, im Sinne einer positiven Entwicklung.

Um noch ein paar weitere Beispiele zu nennen, weil sie unmittelbar auch mit den Lagern verknüpft sind, und die meisten Menschen denen ich begegne in diesen Leben müssen. Darunter Menschen,

* die früher oder später von jedweder Leistung und Versorgung durch den Staat abgeschnitten sind. Aus unterschiedlichen Gründen bekommen sie für einen Zeitraum, oder auch auf unbestimmte Zeit, keine Mittel mehr zum Überleben. Und legal arbeiten geht nicht. Bei einigen reicht das was sie bekommen manchmal für bestimmte Situationen nicht aus.

* Viele bekommen kein Bargeld, sondern diese unsäglichen Lebensmittelgutscheine, die eigentlich schon der Vergangenheit angehörten. Obendrein auch nur noch die Hälfte der eigentlichen Leistung, wir sprechen hier von ~150€/Monat! Dem sog. notwendigen Bedarf. Davon können keine Tickets, keine Medizin oder andere Dinge gekauft werden, die es nicht in den Läden, der Ketten die mit Sodexo zusammenarbeiten, gibt. Ganz abgesehen von den laufenden Rechnungen für Anwält*innen oder Verträge, oder das Bezahlen von Strafen wegen Fahrens ohne Ticket o.a. ist nicht möglich, die Folgen sind wohl allen klar…

* Eigentlich alle Menschen, incl. der Support(A)s, brauchen an der einen oder anderen Stelle mal juristischen Beistand. Und auch wenn es die Mittel der Prozesskostenbeihilfe und die Beratungsscheine gibt, die wir auch in den meisten Fällen versuchen zu nutzen, gibt es auch viele Fälle in denen es nur (noch) mit Bargeld geht. Unter anderem, wenn es um schon laufende Kosten geht. Oder aber auch, wenn die zuständigen Stellen sich vehement ihrer Aufgabe entziehen. Kommt alles vor.

Soweit, drei regelmäszig auftretende Momente (von vielen), wo Bargeld mehr als hilfreich in der Unterstützung sein kann. Vor allem auch Bargeld, das nirgendwo zwingend abgerechnet werden muss, über das auch sonst nicht, auszer auf euren Wunsch bezüglich des Newsletters, Rechenschaft abgelegt werden muss.

Konkretes Anliegen:

Gewalt gegen FLINT*-Personen, Gewalt im Kontext Asyl und Lagern (Mit der Bitte um Verständnis, einzelne Details bleiben ungenannt, das ist u.a. zum Schutz vor allem der betreffenden Personen.)

Wir haben einen akuten Hilferuf von einer Gruppe FLINT*-Personen erhalten. Die Menschen berichteten von einem konkreten Vorfall, einem Angriff auf sie, und vor allem auch den direkten Auswirkungen auf die Situation im Lager und zwischen den Bewohnenden. Die Gewalt ging von einer männlich gelesenen Person innerhalb der Bewohnerschaft aus, reihte sich allerdings ein in Vorkommnisse ähnlicher Art, von noch weiteren Gewalt ausübenden Personen und gewaltvollen Momenten, die schon länger zum traurigen Alltag der betroffenen Personen gehören. Die Umstände dabei sind die immer gleichen, wie sie in wahrscheinlich allen Einrichtungen dieser Art vorzufinden sind, der einzige Unterschied hier jetzt war, dass es Kontakt zu Menschen gab, uns, die Unterstützung zusicherten, für den Fall die Menschen bereit sind sich an uns zu wenden. Und das haben sie in diesem Fall geschafft, dazu gehört um einiges mehr Mut und Vertrauen, als es in diesen Kontexten im offiziellen Rahmen der Betreuung und Begleitung und weiteren Strukturen üblich ist. Oft enden solche Situation in der Beschwichtigung der Betroffenen und Relativierung der Geschehnisse. Dazu an anderer Stelle und später mal mehr.

Nach mehreren stundenlangen Telefonaten mit der Gruppe, die von Traumatisierung und Angst vor weiteren Angriffen bestimmt waren, beschlossen wir zu handeln. Am nächsten Tag holten wir die Menschen ab und brachten sie in Sicherheit in einen selbstorganisierten Schutzraum. Im weiteren Verlauf unterstützten wir die Personen, auch was die Versorgung angeht, erledigten Besuche beim Arzt und organisierten den Kontakt zu professionellen Stellen, die inzwischen im Sinne ihres Auftrags die Fälle übernommen haben.

Da sich der verantwortlich-erklärte Staat, für solche Soli-Aktionen eher weniger erwärmen lässt, seid jetzt ihr gefragt!

Es ist darüber hinaus so, und ähnlich den oben beschriebenen Beispielen, das es weiterhin für mindestens eine Person aus der Gruppe monetären Support braucht. Den mit abzudecken, bis die eigentlich Verantwortlichen ihren Job machen, wäre sehr hilfreich!

Wenn ihr spenden möchtet, meldet euch bitte per Mail unter: cafeinternationale[at]posteo.de

Vielen Dank und bleibt gesund!
Die Soligruppe

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Spendenaufruf: 140 qm in Hanau gegen das Vergessen http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/05/16/spendenaufruf-140-qm-in-hanau-gegen-das-vergessen/ http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/05/16/spendenaufruf-140-qm-in-hanau-gegen-das-vergessen/#comments Sat, 16 May 2020 12:45:22 +0000 Administrator News Bundesweit http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/05/16/spendenaufruf-140-qm-in-hanau-gegen-das-vergessen/

Spenden auf Betterplace.org
Mehr Informationen auch unter Initiative 19. Februar

Erinnern heißt verändern: Am 19. Februar 2020 wurden in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven ermordet. Am Heumarkt – einem der Tatorte – wurde jetzt ein Ort der Begegnung und des Vertrauens geschaffen. Wir brauchen finanzielle Unterstützung!

Über das Projekt und der ganze Spendenaufruf

Am 19. Februar 2020 wurden in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven ermordet. Der Täter verletzte nicht nur viele weitere, die Tat brach unzähligen Menschen das Herz. Die Schüsse kamen nicht aus dem Nichts, sondern sind Folge der allgegenwärtigen rechten Hetze und des alltäglichen Rassismus. Doch nicht nur das: Sie sind auch das Ergebnis einer jahrzehntelangen politischen Verharmlosung von Rassismus und rechtem Terror, von fehlender Aufklärung und Vertuschung.

In den Tagen nach der Tat hat sich im Rahmen von Gedenkkundgebungen in Hanau die Initiative 19. Februar gebildet. Gemeinsam schaffen wir jetzt einen Raum der Begegnung, der Erinnerung und des Vertrauens. Eine Anlaufstelle für Beratung und Vernetzung, für Unterstützung und neue Kraft. Ein Treffpunkt, in dem geschützt oder öffentlich über Trauer, über Rassismus-Erfahrungen und über Solidarität gesprochen werden kann. Unser Denkmal für die Ermordeten wird nicht in Stein gegossen – wir halten die Erinnerung lebendig und streiten für Aufklärung und Konsequenzen. Am Heumarkt, einem der Tatorte des 19. Februars, öffnen wir einen Raum, ein soziales Zentrum für alle.

Komm vorbei!
140 qm in der Krämerstrasse 24, die für alles genutzt werden können, was Angehörige, Freunde und Betroffene von Rassismus in Hanau jetzt brauchen und wollen. Wir wollen diesen Raum mit allen gestalten, egal welchen Pass, welche Hautfarbe oder welche Religion wir haben.

Wir brauchen finanzielle Unterstützung!
Die Initiative 19. Februar ist unabhängig und will das bleiben. Die Anlaufstelle kostet uns 2500 Euro im Monat und der Vertrag läuft drei Jahre – mindestens. Denn Erinnerung und Veränderung sind eine Sache von vielen gemeinsamen Jahren. Dafür bitten wir um Unterstützung.

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8. Mai 2020 – Eine Nachbetrachtung http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/05/16/8-mai-2020-eine-nachbetrachtung/ http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/05/16/8-mai-2020-eine-nachbetrachtung/#comments Sat, 16 May 2020 12:08:26 +0000 Administrator News Sachsen-Anhalt http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/05/16/8-mai-2020-eine-nachbetrachtung/

Pressemitteilung der VeranstalterInnen der Kundgebung am 08. Mai 2020, Halle/Saale / Quelle/FB

Dem Aufruf des Antirassistischen Netzwerk Sachsen-Anhalt sind am 8.5. über 50 Menschen gefolgt. Die Demonstrierenden haben am Riebeckplatz über zwei Stunden hinweg ihre Solidarität mit migrantischen Kämpfen zum Ausdruck gebracht. Redebeiträge eines Bewohners der Zentralen Aufnahmestelle (ZASt) in Halberstadt, des Aktionsbündnis „Tribunal NSU-Komplex-Auflösen“, der Initiative „Welcome United“ und dem Antirassistischen Netzwerk Sachsen-Anhalt wurden abgespielt bzw. verlesen. Den Opfern rassistischer und rechter Gewalt wurde gedacht – sowie dazu aufgerufen, ein würdevolles Gedenken zu schaffen, indem ihre Namen hör- und sichtbar sind.

„We don’t want to be forgotten – we want to be equal – […] and we want to be behaved like humans … equality, justice and so I hope one day comes without racial discrimination all over the world. So I want you all to protect and to support the forgotton!“, forderte einer der Redebeiträge des Bewohners der ZASt. Die Kundgebung rief darüberhinaus dazu auf, alle Lager abzuschaffen, sowie die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Verhältnissen, die auch 75 Jahre nach der Zerschlagung des deutschen Faschismus immer noch von Rassismus, Antisemitismus, rechter Hetze und Gewalt geprägt sind.

Die Redebeiträge sind auch im Nachhinein noch über den livestream nachzuhören: HIER

Ausserdem empfehlenswert zum Nachhören: Die Geschichte Migrantischer Selbstorganisation und Hintergründe zum Tag des Zorn am 8. Mai. Ein Interview mit Massimo Perenelli vom Aktionsbündnisses „NSU-Komplex auflösen“: anhören

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[Kundgebung] 8. Mai 2020 Tag des Zorns http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/05/07/kundgebung-8-mai-2020-tag-des-zorns/ http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/05/07/kundgebung-8-mai-2020-tag-des-zorns/#comments Thu, 07 May 2020 12:25:18 +0000 Administrator News Sachsen-Anhalt Bundesweit http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/05/07/kundgebung-8-mai-2020-tag-des-zorns/

Flyer als pdf

75. Jahrestag der Zerschlagung des deutschen Faschismus!

Deutschlandweiter Protest gegen Rassismus! Kein vergeben Kein Vergessen! Lager abschaffen!

in Halle/Saale
13 Uhr
Riebeckplatz

Die Teilnehmer*innen Anzahl ist aufgrund des Infektionsschutz auf 50 Teilnehmer*innen in Halle beschränkt.

Kommt bitte mit Mund- und Nasenschutz und haltet den Mindestabstand von 2m zueinander ein.
Organisiert von dem Antirassistischen Netzwerk Sachsen-Anhalt

Ausserdem Online-Demo: www.facebook.com/AKantiraMagdeburg

In diesem Jahr jährt sich am 8.Mai die Befreiung vom deutschen Naziregime zum 75.mal. Doch befinden wir uns gerade in einer Zeit, in denen rechter Terror, Hetze und Gewalt auf gesamte Zusammenhänge, wie auch auf Einzelpersonen aktueller denn je sind. Das ist aller Anlass um wütend und zornig zu sein!

Warum der 8.Mai?

Das Datum gilt als Tag der Befreiung.Doch während der Krieg und die NS Diktatur ihr Ende fanden, lebten die Nazi-Ideologie und ihre Vertreter*innen weiter und so haben Rassismus und Antisemitismus in Deutschland Tradition. Da die Politik dabei zusieht wie unsere Geschwister und Freund*innen ums Leben kommen, können
wir uns nicht auf sie verlassen. Wir wollen neben dem Gedenken an die unzähligen Opfer von Faschismus, Rechtsextremismus und Rassismus , die aktuellen Zustände benennen und anklagen!

Tragen wir unsere Wut und unsere Trauer auf die Straße. Wir sind nicht still,wir sind wütend und wir lassen uns nicht einschüchtern.

wirstreiken0805.wordpress.com

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[Halle/Saale] „ES WAR WIE DIE HÖLLE“ http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/05/05/hallesaale-es-war-wie-die-hoelle/ http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/05/05/hallesaale-es-war-wie-die-hoelle/#comments Tue, 05 May 2020 11:44:06 +0000 Administrator News Sachsen-Anhalt http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/05/05/hallesaale-es-war-wie-die-hoelle/

Ein Bericht zweier Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft Huttenstraße (Halle/Saale) über die einmonatige unfreiwillige Quarantäne.
28.04.2020
[English below]

Text als pdf / Deutsch/ English

Die Behörden der Stadt behaupten, dass alle notwendigen Sicherheitsmaßnahmen getroffen wurden, um Bewohner*innen vor einer Ansteckung mit Covid-19 zu schützen und haben versichert, dass positiv getestete getrennt von gesunden Personen untergebracht wurden.

H: Falsch. Das stimmt nicht. Sie haben alle Leute, Zimmer für Zimmer, aufgerufen und gesagt: „Wir haben gute Neuigkeiten für euch. Aber drei Leute wurden positiv getestet.“ Und ich habe sie gefragt: „Okay, aber wenn drei Leute positiv sind, wie sollen wir hier zusammen wohnen bleiben?“ Sie sagten: „Nein, sie werden getrennt von euch bleiben. Wenn ihr nicht zu ihnen geht, dann werdet ihr gesund bleiben.“ Okay, aber was mich sehr verwundert hat, ist, dass der gleiche Mitarbeiter, der uns Geld und Essen gebracht hat, auch mit den Menschen zusammen war, die angesteckt wurden. Also habe ich meinen Freund [einer der positiv getesteten] angerufen und gefragt, ob derselbe Mitarbeiter in seinem Zimmer wäre. Und er sagte ja, und schickte mir sogar ein Video. Der Mitarbeiter war nicht geschützt – keine Maske, keine Handschuhe. Und ich meinte: „Oh, was hier passiert, ist falsch. Ich meine, wie kann es sein, dass bei unserer Ankunft in Halle niemand positiv war? Alle waren gesund. Damals haben sie uns keine Ergebnisse mitgeteilt. Sie haben uns für zwei Wochen unter Quarantäne gestellt und gesagt, dass sie uns beobachten wollten. Also machten sie einen weiteren Test, der zweite mittlerweile und fanden heraus, dass nun drei Personen positiv waren.

Wurdet ihr von den positiv Getesteten getrennt?

H: Sie kamen aus Halberstadt [aus der ZASt, der Zentralen Aufnahmestelle für Geflüchete in Sachsen-Anhalt]. Sie haben mir zuvor eine Nachricht geschrieben. Einer von ihnen hat mir gesagt, dass sie auch in die Huttenstraße kommen würden! Er sagte uns, dass sie positiv getestet worden wären. Ich war erstaunt. Also redete ich mit ihnen und sie sagten: „Ja, wir sind positiv. Siehst du, wir sind positiv und ihr habt keinen Schutz! Keine Masken, keine Handschuhe.“ Und sie haben auch mit einem der Mitarbeiter*innen gesprochen und gesagt: „Wir wurden positiv getestet und was ist mit euch? Ihr habt keine Schutzmaßnahmen? Gleichzeitig gebt ihr uns unsere Tests auf diese Weise – Ich meine, wir sitzen hier am gleichen Tisch zusammen.“ Und der Mitarbeiter, ein bisschen lächelnd, meinte: „Nein, wir nehmen dieses Risiko auf uns. Es ist ein Risiko, aber es ist in Ordnung.“ Also fragten sie: „Was wollt ihr nun tun? Behaltet ihr uns hier? Oder transferiert ihr den Rest der Leute hier?“ Das war, was mein Freund – einer der positiv getesteten – mir erzählt hat. Der Mitarbeiter sagte: „Nein, wir werden euch nicht woanders hinbringen. Wir behalten euch hier [mit allen anderen Bewohner*innen] zusammen. Ihr bleibt hier, aber ihr werdet eure eigenen Räumlichkeiten zu dritt haben.“ Aber aus meinen eigenen Beobachtungen heraus glaube ich, dass das der Fehler war. Wir, wir wohnen im ersten Stockwerk. Aber wir mussten in die zweite Etage, um die Küche zu benutzen. Und jene, die positiv getestet wurden, wohnten in der zweiten Etage. Also begegnete ich ihnen dort etwa zwei Mal [durch Zufall]. Kannst du dir das vorstellen? Und manchmal, wenn ich dahin ging, hatte ich sogar Angst.

Hast du den Eindruck, dass alle Leute gut über die Situation informiert wurden?

H: Weißt du, ich verstehe Englisch. Aber das Problem ist, dass viele Leute kein Englisch verstehen. Die Mitarbeiter*innen sprachen nur Englisch und Deutsch. Und wir sprechen kein Arabisch. Also haben viele von den arabischen Leuten überhaupt keine Informationen erhalten, denke ich. Es gab überhaupt keine Übersetzer*innen.

Hattest du den Eindruck, dass das Personal besondere Schutzmaßnahmen ergriffen hat?

H: An dem Tag, als der Bericht von einem Transfer einer positiv getesteten Person aus Halberstadt nach Halle in den Nachrichten war, trugen alle Mitarbeiter*innen Schutzmasken. Sie waren besorgt, weil es in den Nachrichten war. Als wir drei Tage nach dem ersten Test erfuhren, dass niemand von uns positiv getestet wurde, hörten sie auf, Masken zu tragen und trugen für die gesamte Zeit der Quarantäne nie wieder welche. Sie haben ihres Verhalten sehr verändert … Wir alle aus der Huttenstraße – ganz egal wen du fragst – sind uns nicht sicher, ob die Information bezüglich der drei positiv getesteten Personen wirklich stimmte. Wir vertrauen denen nicht, weil … wie bereits gesagt mussten wir dieselbe Küche benutzen!

Wie verlief euer Transfer nach Halle?

F: Vor diesem Corona waren wir alle zusammen in Magdeburg. Wir wussten nichts über einen Transfer. Wir gingen bloß in die Mensa [unserer Unterkunft] in Magdeburg, wo wir unsere Namen lesen konnten und dass wir nach Halle transferiert werden. Am Tag des Transfers, wurde unsere Temperatur gemessen und wir bekamen Schutzmasken. Also zogen alle Schutzmasken an. Wir bestiegen den Bus aus Magdeburg und kamen hier her, nach Halle. Der Bus hielt an und uns wurde gesagt, das Gesundheitsamt würde kommen. Sie machten den Coronavirus-Test und brachten uns zur Huttenstraße 57.

Was passierte als Nächstes?

F: Wir bekamen die Information, dass wir drei Tage in der Huttenstraße verbringen müssen. So übel. Wir verbracht dort drei Tage. Sie kamen wieder und sagten uns, eine Person hätte den Virus. Wir müssten zwei Wochen lang warten und nach diesen zwei Wochen einen erneuten Test machen. Nach diesen zwei Wochen, als sie den zweiten Test machten, waren drei weitere Personen positiv. Sie sagten, sie müssten uns dort für zwei weitere Wochen behalten. [Aber] die Frage, die ich mir stellte, war: warum sagen sie eine Person sei positiv getestet worden und nehmen diese nicht raus aus der Unterkunft? Sie ließen die Person da. Wie kann das sein? Wer ist dafür verantwortlich? Das ist nämlich der Grund, warum wir einen Monat in Quarantäne verbringen mussten. Noch nie in meinem Leben, war ich nur in einem Gebäude. Es war wie die Hölle für mich!

Wie ist die Situation jetzt?

Jetzt ist alles besser: Wir können wieder raus gehen. Du kannst kaufen, was du willst! Wir müssen also unsere Dokumente ändern, richtig? Das ist erstmal alles. Wir müssen abwarten. Die Dinge müssen wieder in Ordnung kommen. Jetzt sind wir in Not. Wir haben euch vorher erzählt, dass die Küche auf unserer Etage nicht funktioniert, also hab ich heute beim Sozialarbeiter nachgefragt. Er meinte nur: „Ja, okay“, und reparierte sie. Alles ging so schnell. Jetzt gibt es also kein Problem mehr. Ich hab ihn auch nochmals versucht zu fragen: „Wer war für die Quarantäne zuständig? Warum habt ihr nichts gemacht? Oder wie ist das möglich, dass sich niemand beschwert hat?“ Aber die Sache ist, dass hier vorher keine Sozialarbeiter*innen waren. Als er das letzte Mal kam, war ich gerade in der Küche und sie stellten einen Mann als unseren Sozialarbeiter vor, aber ich hab diese Person noch nie zuvor gesehen. Jetzt kann ich einfach erstmal nur sagen, dass die Zeit in Quarantäne nicht einfach war.


„IT WAS LIKE HELL“

Report on the involuntary, month-long quarantine of Huttenstraße camp Halle/Saale, recounted by two inhabitants.
28.04.2020

The city authorities are claiming that all necessary measures to protect camp inhabitants from infection were taken, and that they ensured separation between those tested positive and those tested negative at all times.

H: False. It’s not true. They called all the people room by room and said: „Ok, well, good news for you: You are tested negative. But there are three people here tested positive.“ And when they called us, I asked them: „Okay, if there are three people positive, how are we going to stay with them?“ They said, „No, they‘re going to stay separated. If you don‘t go to them, you will stay negative.“ Okay, but the thing which surprised me a lot was that the employee who brings us money and food was also with the people that were tested positive. So I called my friend [one of those tested positive] by phone and asked him, if the same employee is at their room. And he said, yes, and even sent me a video. The employee had no protection – no mask, no gloves. And I said: Oh, something wrong is going on. I mean, how can it be, that when we arrived in Halle – no one was positive? Everyone was negative. Back then, they didn‘t give us any results. But they kept us for two weeks in quarantine and said they wanted to observe us. So they made another test, the second test and found out, that three person were positive now.

Were you seperated from those tested positive?

H: They came from Halberstadt (ZASt). They sent me messages before. I did not know that they were also at Huttenstraße. One of them told me then, that they’re also at Huttenstraße! He told us that they are positive. I was surprised. So I talked to them and they said „Yes, we’re positive. You see, we are positive and you don‘t have any protection! No mask, no gloves.“ And they also spoke to one of the employees and said: „We are tested positive and you? You don’t have any protection? At the same time, you give us our test like this – I mean, we are at the same table.” And the employee – he smiled a little bit and said: „No, we will take this risk. It’s a risk, but it’s okay.“ So we asked: „Okay, but what are you going to do now? Are you going to keep us here? Or do you remove the rest of the people here?“ That was, what my friend told me – one of the people that were tested positive. The employee said: „No. We are not going to remove you. We are going to keep you [with everyone else] in one place. And we are going to keep you there, but you will have your own space, for you three.“ But from my own observation, I think, there was a mistake. For us, we are living on the first floor. But we needed to go to the second floor to use the kitchen. And those who were tested positive were living on the second floor. So for me, I met them there for like two times [by chance]. Can you imagine? And sometimes when I went there, I was even afraid.

Did you feel everyone was well informed about the situation?

H: You know, I understand English. But the problem is that a lot of people don’t understand English. The employees just spoke English and German. And we don’t speak Arabic. So a lot of the Arabic people did not get any information, I guess. There was no translator at all.

Did you feel the employees were taking safety measures seriously otherwise?

H: That day it was in the news that a guy came to Halle from Halberstadt [and was tested positive] – and everybody of the employees were wearing masks. They were afraid because it was in the news. But after three days when they told us that nobody is positive, they stopped wearing masks. And they never wore masks again for the whole time that we had been in quarantine. So they really changed the way they behaved …  And for all of us at Huttenstraße – regardless of whom you’ll ask – we’re not sure if the informationen, that three person were tested positive, is true. We don‘t trust them because … Remember we had to use the same kitchen with the three persons who got tested positive!

How were you transferred to Halle?

F: Before this Corona, we were altogether in Magdeburg. We never knew anything about transfer. We just went to the canteen [at our camp] in Magdeburg. We saw our names there, that we’ll have a transfer to Halle. On the day of the transfer, they took our temperature and they gave us masks. So everybody put on masks. We entered the bus from Magdeburg and came here to Halle. So the driver stopped there and told us, okay, the Gesundheitsamt will come. They made the Coronavirus test. They took us to that Huttenstraße Nr. 57.

What happened after?

F: We got the information, that we have to spend three days at Huttenstraße. So bad. We spent there three days. They came again and told us, that one person has Coronavirus. We had to wait for two weeks and after these two weeks, we had to conduct a Coronavirus test again. After these two weeks when they made a second test, three more persons were positive. So they said, they have to keep us there for two more weeks. [But] the question I had, was, why do they say one person has coronavirus, but they didn’t take the person out [of the camp]? They left the person there. How did this come? Who of the authorities is responsible for this? Because due to this, we had to spend one month in quarantine. Never during my life I‘ve been just in one building. And it was like a hell to me!

How is the situation right now?

F: Now, everything is good. We can now go outside. You can buy what you want to buy! So we have to change our (asylum) documents now, right? That is all for now. We have to wait for that. The settings have now to be put into places. And now we are in need. We told you before, that the kitchen at our floor was not working. So today I went complaining to the social worker. And he just said: „Yes, okay“, and fixed it. Everything went on so fast. So now, there is no problem anymore. I also tried to ask him again: „Who was responsible for the quarantine? Why did you not do anything? Or how was it that nobody complained?“ But the thing is, that there haven’t been any social workers here before. The last time, he came, I was in the kitchen and they introduced one guy as our social worker. But I have never seen this guy before … So for now, I can just tell you: that the time during quarantine was not easy.

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[Corona] Entmündigung trifft auf Widerspruch http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/26/corona-entmuendigung-trifft-auf-widerspruch/ http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/26/corona-entmuendigung-trifft-auf-widerspruch/#comments Sun, 26 Apr 2020 21:57:35 +0000 Administrator News Sachsen-Anhalt http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/26/corona-entmuendigung-trifft-auf-widerspruch/

Benneckenstein, 26.4.2020

Am vergangenen Freitag erreichten uns eine Reihe von Botschaften von Geflüchteten, die Ende der Woche aus der ZAST in Halberstadt bzw. Quedlinburg in eine Gemeinschaftsunterbringung in Benneckenstein im Harz gebracht wurden. Sie sind von Freitag auf Samstag in einen nächtlichen Streik getreten und haben die Nacht bei Minuasgraden draußen verbracht. Mit dem Protest und der Verweigerung in das Gebäude zu gehen, setzten sie sich dem Umgang durch die Behörden und Verantwortlichen und der daraus resultierenden unübersichtlichen Situation zur Wehr. Diese hat sich für die Betroffenen seit Ausbruch der Coronapandemie dahin entwickelt, dass sie sich, noch mehr als sonst schon, eingesperrt und entmündigt fühlen. Darüber hinaus beobachten wir immer wieder, dass es kaum Informationen und eine vernünftige Sprachmittlung mit den betroffenen Menschen (in ihrer Muttersprache) gibt. „Wo werden wir hingebracht? Bleiben wir hier für immer? Sollen wir hier drei Wochen lang bleiben? Oder sollen wir hier länger als drei Wochen bleiben? Das ist, was wir wissen wollen.“

Der Plan des Landesverwaltungsamts zum Umgang mit dem Ausbruch von Corona in der ZASt, den sich Bürokraten erdacht haben und der bis auf die Unterbringungsfrage alle anderen menschlichen Bedürfnisse vernachlässigt, ist am Wochenende auf den Faktor Mensch getroffen. Die Geflüchteten haben sich in diesem ganzen Chaos selbst ermächtigt und deutlich gemacht, wie sehr sie unter den Bedingungen aktuell leiden und dass sie nicht gewillt sind, alles mit sich geschehen lassen.

Wir schließen uns einmal mehr ihrer Forderung nach einem Leben und Wohnen in Würde an, an einem Ort, der Sichheit und in einer Wohnung, die Rückzug, Privatsphäre und ein Zuhause bietet, an!

Botschaft einer Frau in Benneckenstein, 24.4.2020:
„Ich spreche zur deutschen Bevölkerung und der ganzen EU. Wir sind aus dem Camp in Halberstadt gekommen. Seit einem Monat sind wir in Quarantäne. Es wurde uns gesagt, dass wir positiv getestet wurden, aber die Dokumente oder irgendetwas darüber wurden uns nicht gezeigt. Wir waren eine Woche in einem Container, zu fünft mit Babys, dort haben wir eine ganze Woche verbracht ohne einmal etwas warmes zu essen. Wir wurden wie Tiere gefüttert. Dann wurden wir nach Quedlinburg geschickt. Nach Quedlinburg kommt ihr in ein Heim wurde uns gesagt. Wir waren drei Tage in Quedlinburg ohne überhaupt etwas zu essen! Erst als wir in einen Streik traten, kam Essen aber eine Küche gab es trotzdem nicht. Wir haben zwei Babies, ein Kind und eine schwangere Frau. Am Ende der Quarantäne sollten wir verlegt werden. Die erste Gruppe wurde in’s Heim gebracht, dann die zweite. Dann gab es irgendwelche Probleme, uns wurde gesagt, dass wir warten sollen. Wir haben von morgens bis fünfzehn Uhr draußen gewartet. Um fünfzehn Uhr kam ein Auto aber es war nicht das gleiche, wie das, in dem die ersten Personen weggefahren sind. Die hatten Dokumente, die bestätigten, dass sie positiv getestet wurden. Diese Quarantäne ist psychologisch ein riesiger Druck, heute essen wir seit einem Monat schlecht. Ich hoffe dass wir nach all diesem Leid, endlich in Häusern wohnen dürfen. Dieses Haus gibt uns keine Sicherheit, wir haben nichts zu trinken und jetzt wurde uns gesagt, dass wir zwischen drei und vier monaten hier bleiben müssen. Das geht nicht! Ich weiß nicht wie das gehen soll! Den Babies zuliebe. Es ist unerklärlich. Das ist was ich zu sagen habe danke!“

Weiteres Interview mit einem Geflüchteten

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[Halberstadt] Aktuelle Zahlen und Maßnahmen http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/24/halberstadt-zahlen-und-massnahmen/ http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/24/halberstadt-zahlen-und-massnahmen/#comments Fri, 24 Apr 2020 12:32:46 +0000 Administrator News Sachsen-Anhalt http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/24/halberstadt-zahlen-und-massnahmen/

Aktuell sind 117 Fälle von Coronainfektionen alleine unter den Bewohner*innen der ZASt Halberstadt nachgewiesen. Das entspricht einem Anteil von über 8 Prozent an den Gesamtinfektionen in Sachsen-Anhalt. Bei den regelmäßigen Tests der letzten Woche sind mindestens immer fünf Neuinfektionen festgestellt worden. Damit ist die Zahl der Neuinfektionen zwar gesunken, aber die Ausbreitung des Virus in der ZASt konnte bis jetzt nicht gestoppt werden.

Ob und wie viele Infektionen es in anderen Lagern in Sachsen-Anhalt gibt, darüber ist wenig bis nichts bekannt. Auch hier gibt es trotz des Wissens um die Ausbreitungsgefahr in Massenunterkünften i.d.R. keinerlei Konzept oder adäquaten Umgang mit der Situation, siehe z.B. das Lager im Teichweg in Bernburg.

Betrachten wir noch einmal nur die Zahlen: Konzentriert auf einen Ort, die ZASt, versammeln sich dort über 8 % der Coronainfektionen in ganz LSA. Dem gegenüber entsprechen die 850 Bewohner*innen des Lagers (zu Beginn der Corona-Krise) gerade mal knapp 0,04 % der Bevölkerung in LSA. Allein wenn man den gesamten Anteil an Menschen ohne deutschen Pass in LSA nimmt, den sogenannten Ausländeranteil, zeigt sich schon eine Schieflage. Dieser liegt bei unter 5 % an der Gesamtbevölkerung.

Die Zahlen zeigen deutlich: Der Zugang zu grundlegen Rechten, die für alle gelten (sollten), nach Unversehrheit der eigenen Person, nach Gesundheit, Privatsphäre etc, ist nicht der selbe. Wie sonst kann es ein deartiges Ungleichgewicht in der Ausbreitung einer Krankheit geben? Und was sind die Gründe dafür? Die Antwort darauf ist einfach und komplex zu gleich: Sie heisst Rassismus.

Menschen in Lager zu stecken hat in diesem Land eine lange Geschichte, so auch Schutzsuchende Geflüchtete. Das dies eine Notwendigkeit ist, weil es zum Beispiel zu wenig Wohnraum gibt, dem widerspricht die oben stehende Grafik. Also müssen wir auch hier fragen, was ist dann der Grund? Und auch hier heisst die Antwort Rassismus.

Als bisherige Reaktion auf die Gesamtsituation in der ZASt, also die Ausbreitung des Virus, den Protest der Bewohner*innen und aufgrund des öffentlichen Drucks, hat das Landesverwaltungsamt in einer Pressemitteilung letzte Woche mitgeteilt, wohin die infizierten Menschen gebracht werden sollen. Ein erster Schritt. Aber ob er ausreicht um die massenhafte Ausbreitung des Virus unter den Gefüchteten erfolgreich einzudämmen? Und ist er einer Richtung Abschaffung von Ausgrenzung, Diskriminierug und Lagerunterbringung? Nein. Bis dahin ist es vermutlich noch ein längerer politischer Weg.

Wir dokumentieren die Pressemitteilung des LVA an dieser Stelle mehrsprachig: Russisch / Englisch / فارسی Persisch / Französisch / Portugiesisch / Deutsch

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[Lager] PM: Ohne Perspektive kann man sich nicht sicher fühlen http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/24/lager-ohne-perspektive-kann-man-sich-nicht-sicher-fuehlen/ http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/24/lager-ohne-perspektive-kann-man-sich-nicht-sicher-fuehlen/#comments Fri, 24 Apr 2020 11:12:41 +0000 Administrator News Sachsen-Anhalt Bundesweit http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/24/lager-ohne-perspektive-kann-man-sich-nicht-sicher-fuehlen/

Presseerklärung vom Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt

Halle (Saale), 24.04.2020
Quelle

Im Zuge der weltweiten CoViD-19 Pandemie wurden in Sachsen-Anhalt mehrere Sammelunterbringungen für Geflüchtete Quarantänemaßnahmen unterzogen. Nicht zuletzt die Zustände in der ZASt in Halberstadt haben dabei zu weitreichendem Unverständnis und Besorgnis geführt. Nach mittlerweile einem Monat der Quarantänesituation zieht der Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt ein vorläufiges Resümee über das System der Sammelunterbringungen, dessen medizinischen und psychosoziale Gefahren sowie die Rolle der Landesregierung.

Der Flüchtlingsrat stellt dabei folgende Punkte fest:

* Die Probleme in allen Sammelunterbringungen folgen direkt aus einem System der Entmündigung und Einschränkung. Sie sind Symptome einer »Lagerlogik« und keine zufälligen Erscheinungen.
* Infektionsschutz und psychosoziale Betreuung vorerkrankter Personen können in Sammelunterbringungen nicht im nötigen Umfang geleistet werden.
* »Ausreichende Versorgung« umfasst Lebensmittel, Hygieneartikel, aber auch Informationen und Kommunikation. In allen Bereichen waren folgenreiche Mängel zu verzeichnen.
* Indem sich die Landesregierung weigert, schutzsuchende Menschen dezentralisiert unterzubringen, wird eine humanitäre Krise im eigenen Bundesland in Kauf genommen und geflüchtete wie nicht-geflüchtete Menschen gleichermaßen gefährdet.

Das System »Lager« – Entmündigung als Dauerzustand

»Wir haben hier keine Rechte. So wie wir hier gerade leben, können wir nichts tun, und wir können uns auch an niemanden wenden. Es ist sehr, sehr frustrierend. Wir leben in ständiger Panik vor Ansteckung und werden durch die Situation traumatisiert.« (Herr K.*, Bewohner der ZASt Halberstadt)

Die Unterbringung von Schutzsuchenden in Massenunterkünften wird von NGOs, Beratungsstellen und Wohlfahrtsverbänden schon immer kritisiert. Erklärtes Ziel der Lager ist die Verhinderung von Integration sowie die Erleichterung von Abschiebungen. Die Lagerlogik lautet: Ausschluss und Entmündigung.

»Während der Großteil der Bevölkerung die eigenen Kontakte freiwillig beschränken kann und sogar eine amtlich angeordnete Quarantäne noch selbst ausgestalten können, werden Geflüchtete in Lagern komplett entmündigt. Sie haben keine Möglichkeit der Mitgestaltung, sind auf die Unterstützung von außen angewiesen und werden somit zu Menschen zweiter Klasse degradiert.«, erklärt Georg Schütze vom Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt.

Aus dem strukturellen Ausnahmezustand der Lebensbedingungen in Lagern wird die konkrete Krise – die Versorgungsnotstände und Kommunikationsdefizite, wie sie u.a. in Halberstadt während den ersten Quarantänewochen auftraten, waren vorhersehbar und die logische Konsequenz solcher Lager.

Den Bewohnern der ZASt und zahlreicher anderer Massenunterbringungen im Land werden weder selbstbestimmte Tages- oder gar Lebensgestaltung noch ausreichende verständliche Informationen zugestanden. »Wer mehreren hundert Menschen die Möglichkeit nimmt, gut für sich selbst zu sorgen, muss diese Versorgung mit großem Aufwand nachholen – oder ihre Vernachlässigung in Kauf nehmen. Deswegen wird die Krise der letzten Wochen nicht die letzte sein.«

Infektionsschutz in Massenunterkünften ist unmöglich

Die existentielle Prekarität solcher Zwangssysteme zeigt sich derzeit besonders in Unterkünften, die auf Grund nachgewiesener Coronafälle unter Quarantäne gestellt wurden. Sowohl in der extra eingerichteten Quarantäneeinrichtung in Quedlinburg, der ZASt in Halberstadt, oder in Gemeinschaftsunterkünften wie Krumpa, Halle-Huttenstraße oder Laucha herrschen Perspektivlosigkeit, Unsicherheit und Angst.

Massenunterkünfte vertragen sich allein räumlich nicht mit effektivem Infektionsschutz. Bewohner*innen leben auf engstem Raum, unter schlechten Versorgungsbedingungen und in dauerhafter Isolation. Gemeinschaftsküchen, geteilte Sanitäranlagen, Mehrbettzimmer und Ausgangssperren verunmöglichen den individuellen Schutz vor Infektion und somit eine Entspannung der Situation. Social distancing ist unter solchen Bedingungen schlicht nicht möglich und eine Durchseuchung der Einrichtungen wird somit in Kauf genommen.

»Ich glaube, dass die Leute [die Geflüchteten] hier versuchen, ihr Bestes zu tun. Aber das hilft nichts: Für die Essensausgabe müssen wir trotzdem alle in einer Schlange stehen, die Toiletten und Duschen benutzen wir alle und können deshalb die Distanz nicht einhalten. Es kann hier einfach nicht funktionieren.« (Herr E.*, Bewohner der ZASt Halberstadt)

Seit Beginn der Quarantänevorkehrungen ist die Informationslage in den beispielhaft genannten Unterkünften desaströs. Herr K.* erklärt: »Unser größtes Problem gerade ist, dass wir einfach überhaupt keine Informationen kriegen. Was passiert hier gerade, wie lange dauert das noch? Wir wissen einfach nichts, es ist sehr frustrierend. Vor allem wissen wir nicht, wie lange das noch so weitergehen soll.«

Abwärtsspirale: Quarantäne und psychische Vorerkrankungen

Die Gemengelage von Unterversorgung, mangelnder Selbstwirksamkeit und Partizipationsmöglichkeiten führt zu einer massiven psychischen Belastung der Bewohner*innen. »Natürlich sind wir dankbar, dass alle hier getestet werden, aber es macht uns auch große Angst. Es ist eine sehr ernste Lage. Ich glaube, hier wird ein Desaster passieren«, erklärt Herr K*.

Frau M.*, Mutter von zwei Kindern, erzählte während der Kohortierungsmaßnahmen: »Die Kinder haben nichts zu tun und dürfen auch nicht wirklich aus dem Gebäude rausgehen. Wir können ihnen auch nicht erlauben, im Flur zu spielen, weil die Ansteckungsgefahr zu groß ist. Sie sitzen die ganze Zeit im Zimmer, haben nichts, um sich zu beschäftigen. Sie sitzen am Fenster, gucken in den Hof und fragen mich: Mama, bis wann dürfen wir nicht raus gehen? Und ich habe keine Antwort.«

Die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF e.V.) macht auf die psychosozialen Auswirkungen der Corona-Pandemie für Geflüchtete aufmerksam. In Zeiten großer Unsicherheit und Angst sei es umso mehr geboten, die prekäre Lebenssituation geflüchteter Menschen zu beachten. Sie betonen: »Eine kollektive Quarantäne unter polizeilicher Bewachung ganzer Unterkünfte kann für Menschen mit Traumafolgestörungen dazu führen, dass sie durch die verstärkten Reglementierungen und Freiheitseinschränkungen getriggert werden und sich ihr psychischer Zustand deutlich verschlechtert.« Mit der freien Bewegung werden auch die Möglichkeiten des Ausgleichs und der Stabilisierung eingeschränkt. Die Anspannung nimmt zu, was sich wiederum auf andere Bewohner*innen überträgt und auf die traumatisierten Personen zurückschlagen kann.

Sehenden Auges in die Krise

Was in den letzten Wochen zu beobachten war, muss als Überforderung und Perspektivlosigkeit seitens der zuständigen Behörden gedeutet werden. Dass zu Beginn einer solchen Ausnahmesituation wie der CoViD-19-Pandemie kein klares Konzept vorliegt, ist nachvollziehbar. Doch es wird zunehmend klarer, dass immer noch keine humanitäre und menschenrechtliche tragbare Strategie vorliegt, wie die Regierung gedenkt, gegen die Verbreitung des Virus in den Gemeinschaftsunterkünften des Landes vorzugehen. Erst am 30.04. – also knapp fünf Wochen nach Beginn der Quarantänemaßnahmen in der ZASt – legt das Innenministerium erstmals ein Konzept zur Erstaufnahme und Unterbringung für die kommende Zeit vor.

Die Siracusa-Prinzipien über Beschränkungs- und Ausnahmeregeln geben einen strengen Rahmen vor, der auch auf Quarantänezustände anwendbar ist. Darin sind besonders hohe Anforderungen an humanitäre Versorgung gestellt. »Wer im Ausnahmezustand bloß das Notwendigste tut, tut viel zu wenig. Ein kalorisches Mindestmaß in der Essenskalkulation anzusetzen ist ein Beispiel für solche gefährliche Technokratie. Auch die kommunikative Vernachlässigung, die wieder und wieder von den Lagerbewohner*innen geschildert und bemängelt wurde, zeigt eine klare Verletzung der Fürsorgepflicht an«.

So lange Maßnahmen zur Entzerrung und schließlich auch Dezentralisierung der Unterbringungen nicht erwogen werden, sind Bewohner*innen gefährdet. Sachsen-Anhalt hat etwa 1300 Corona-Fälle, knapp unter 10% davon in den Sammelunterkünften für Geflüchtete. »Ob absichtlich oder nicht, die Landesregierung hält Kurs auf die Strategie der Durchseuchung. Es müssen sich alle Bewohner*innen der Gemeinschaftsunterkünfte anstecken, bis die Maßnahmen gelockert und werden können. Diese Vorgehensweise ist zynisch und unmenschlich!« so Schütze vom Flüchtlingsrat.

*Die zitierten Bewohner*innen der Massenunterkünfte wurden anonymisiert, um potentielle Repressionen zu vermeiden.

Pressekontakt:

Georg Schütze | Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt |
mail: georg.schuetze@fluechtlingsrat-lsa.de | mobil: 0159 06 72 51 50

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Online Mittwoch, 22. April 2020 von 16:00 bis 19:00
Untied we stream

Die ganze Welt ist durch das Corona-Virus aus den Fugen geraten. Plötzlich ist alles anders. Dinge sind diskutierbar, die nie möglich schienen. Wir verstehen die Krise als Startpunkt für umfassende Transformation. Die Zukunft nach Corona muss JETZT ausgehandelt werden!
#UnitedWeStream #UnitedWeTalk #LeaveNoOneBehind

▃ Kommenden Mittwoch wollen wir wieder drei Stunden lang gemeinsam mit euch auf die Außengrenzen der EU und die aktuelle Situation von flüchtenden und geflüchteten Menschen schauen. Mit Live-Gesprächen, Dokumentationen und einem Konzert von GIPSY MAFIA werden wir vor allem Betroffene und ihre Unterstützer*innen zu Wort kommen lassen.

Von der Situation auf dem Mittelmeer, über die Inseln Lesbos & Chios und von dort auf das griechische Festland blicken wir in dieser Sendung erstmals auch in Richtung Balkan-Route. Wir spannen den Bogen bis zu den Menschen, die in deutschen Lagern auf eine Perspektive hoffen oder denen in Österreich die Abschiebung droht.

Die Angst vor Covid-19 begleitet natürlich jeden unserer Beiträge. Wir wollen zeigen, dass der Umgang mit einer Viruserkrankung nicht zu mehr Gewalt und Repressionen gegen Menschen führen darf. Nichts rechtfertigt die Aktionen der Festung Europa gegen Schutzsuchende.

Wir freuen uns auf Reports, Musik und Gespräche!

█ Tear Down Borders: #LeaveNoOneBehind No.2

▂ Ab 16:00 Das Watch The Med – Alarmphone
> Gemeinsam mit zwei verbliebenen Schiffen (die Aita Mari & die Alan Kurdi) die letzte Bastion der Seenotrettung.

▂ Ab 16:10 Flucht und Überleben in Griechenland
> Report: aktuelle Situation auf Lesbos von der Mare Liberum
> Report: aktuelle Situation auf Chios via Wir packen’s an
> Dilara & Parwana Ami berichten über die Situation von Frauen* aus zwei verschiedenen Lagern auf dem griechischen Festland.
> Staatliche Repressionen gegen Refugees und Unterstützungsstrukturen in Griechenland

▂ Ab 16:50 Blick Richtung Balkan
> Beitrag von Coview
> Bericht: Balkan-Recherche zur zirkulären Migration und Situation abgeschobener Roma
> Talk(runde) mit Aktivist*innen

▂ Ab 17:40 Musik von GIPSY MAFIA
Ihre Erfahrungen verpacken Ferid und Emrah seit fast zehn Jahren in Rap-Texte. Als Buddy O.G. und Skill rappen sie mit Gipsy Mafia gegen Rassismus, Ausgrenzung und das System.

▂ Ab 18:00 Berichte aus Lagern & Abschiebehaft
> Beiträge von Polizeiklasse, Nein zum Polizeiaufgabengesetz Bayern & Coview
> Erlebnisberichte
> Talk(runde) mit Aktivist*innen

Moderation:
Hendrik Simon (Iuventa10)
Anna Spangenberg (Unteilbar)

█ Diese Sendung ist eine Koproduktion von United We Stream, #UnitedWeTalk, ALEX Berlin, Iuventa10, Polizeiklasse & Coview.

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[Halberstadt] Über die Kriminalisierung von solidarischem Protest http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/21/halberstadt-ueber-die-kriminalisierung-von-solidarischem-protest/ http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/21/halberstadt-ueber-die-kriminalisierung-von-solidarischem-protest/#comments Tue, 21 Apr 2020 15:14:58 +0000 Administrator News Sachsen-Anhalt Bundesweit http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/21/halberstadt-ueber-die-kriminalisierung-von-solidarischem-protest/

05.04.2020: Polizei drängte Aktivist*innen zusammen und verteilte Anzeigen aufgrund angeblichem Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz

Während sich das ganze Land im Social Distancing übt, waren Anfang April in der ZASt in Halberstadt über 850 Menschen auf engem Raum zusammengepfercht. Über die unhaltbaren Zustände, wie den Mangel an Hygieneprodukten, die unzureichende bis mangelhafte Essensversorgung sowie die Gewalt der Security wurde in den vergangenen Wochen bereits viel berichtet. Etliche Menschen begannen, ihr Essen zu verweigern und ihre Kritik, der Corona Pandemie schutzlos ausgeliefert zu sein, lauter werden zu lassen.

Aufgrund der katastrophalen, humanitär zu eskalieren drohenden Situation innerhalb der ZASt, solidarisierten sich am Sonntag, den 05. April spontan einige Menschen mit den protestierenden Geflüchteten. Vereinzelt, zu unterschiedlichen Zeiten und im Mindestabstand von mehreren Metern (teilweise 15- 20m) liefen Unterstützer*innen in Richtung ZASt, wo die ersten von ihnen ca. 800 m vor dem Lager von der Polizei gestoppt wurden. Während einige Unterstützer*innen den anwesenden Beamt*innen ihr Hilfsanliegen erklärten, trafen immer mehr Personen ein, welche Sachspenden und Lebensmittel zur ZASt bringen wollten. All kontrollierten Personen hielten weiterhin einen ausreichenden Sicherheitsabstand von einander ein.

Laut Aussage der kontrollierten Personen sperrte die Polizei die Straße und begann die Menschen zusammenzudrängen. Die Polizist*innen forderten die Einzelpersonen auf, sich nah aneinander zu stellen. Die Hinweise, das dies nicht geht aufgrund der Infektionsgefahr, beachteten die Beamt*innen nicht, sie erwiderten darauf: „Halt die Fresse.“ Erst durch das Kesseln der Polizei entstand die Situation einer menschlichen Nähe, die in Zeiten von Corona so verehrend sein kann. Es ist festzuhalten, dass es erst nach dieser polizeilichen Maßnahme nicht mehr möglich war, den Sicherheitsabstand einzuhalten. In der Folge wurden 9 Menschen festgehalten und dies über einen Zeitraum von etwa einer Stunde auf engem Raum, was kaum in Sinne der Bestrebungen den Virus einzudämmen sein kann. Zwei weitere Menschen wurden willkürlich einige Zeit später, einen halben Kilometer vom Ort des Geschehens entfernt, aufgegriffen und aufgrund des Verdachts an der Teilnahme an einer illegalen Versammlung in den Polizeikessel abgeführt.

Obwohl die eingekesselten Personen glaubhaft versicherten, dass erst das unverhältnismäßige Eingreifen der Beamt*innen dazu geführt habe, dass der Tatvorwurf der illegalen Versammlung konstruiert werden konnte, mussten sie unter Zwang, also per Leibesdurchsuchung, ihre Personalien abgeben und wurden mit weiteren Repressionsdrohungen sowie einem Platzverweis für den Bereich der ZASt für die Dauer der Quarantäne belegt. Nicht nur, dass an diesem Tag der dringend benötigte Support nicht möglich war, so wurde dadurch auch zukünftige Unterstützung illegalisiert.

Mit dem Urteil des Bundesverfassungsgericht sollte sich dieses Vorgehen der Polizei im Nachhinein als falsch erwiesen haben. Am 15.4.2020 urteilten die Richter*innen in Karlsruhe, dass im Sinne des demokratischen Prinzips Grundrechte wie die Demonstrationsfreiheit auch in Corona-Zeiten bestand haben, insbesondere, da es vor allem Minderheiten schützt und ihnen Gehör verschafft. Demonstrationen und Versammlungen sind also, wenn sie den Auflagen zum Infektionsschutz entsprechen, möglich. [1]

Wir stehen weiterhin solidarisch hinter den Menschen der ZASt und fordern eine dezentrale Unterbringung und eine menschenwürdige Behandlung aller Bewohner*innen!

[1] Urteil aus Karlsruhe

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http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/21/halberstadt-ueber-die-kriminalisierung-von-solidarischem-protest/feed/
[Bernburg] Gesundheitsversorgung für alle – statt rassistischer Segregation! http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/21/bernburg-gesundheitsversorgung-fuer-alle-statt-rassistischer-segregation/ http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/21/bernburg-gesundheitsversorgung-fuer-alle-statt-rassistischer-segregation/#comments Tue, 21 Apr 2020 09:00:34 +0000 Administrator News Sachsen-Anhalt http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/21/bernburg-gesundheitsversorgung-fuer-alle-statt-rassistischer-segregation/ Corona update zum Lager Teichweg: BewohnerInnen berichten, dass bis heute niemand dort getestet wurde. Sie wissen nicht, ob es infizierte Menschen im Lager gibt und sich der Virus ausbreitet. Bewohner: „We just living unknowingly“. Wir leben in Ungewissheit.
21.4.2020


Foto: Halle, April 2020

Bericht zum 3. Besuch im Lager Teichweg 6 in Bernburg am 31. März 2020

Antirassistisches Netzwerk Sachsen-Anhalt
Bericht als pdf

Medizinische Zugänge während der Corona-Pandemie? Zustände v.a. für (alleinstehende) Frauen auch mit Kindern/Babys unhaltbar! Aufruf: Menschen dort nicht alleine lassen – das Lager letztlich zu schließen! Alle Lager schließen! Aggressiv auftretendes Sicherheitspersonal und unsichere Verhältnisse während der Corona-Pandemie im Lager im Teichweg 6, vor allem für Personen mit chronischen Krankheiten. Gutscheinsituation erschwert die derzeitige Situation im Bezug auf Corona noch mal zusätzlich!

Erneut sind wir nach Bernburg gefahren und haben Freund_innen in der GU Teichweg 6 besucht. Als wir dort ankommen, guckt Enni* aus dem Fenster und ruft uns zu. Uns fällt schon hier auf, dass sie nicht so fit aussieht und fragen uns, wie medizinische Versorgung und Zugänge zu Ärzt_innen hier inzwischen – auch und gerade in Bezug auf die Covid-19-Pandemie – gewährleistet wird.

Inzwischen kommen weitere Menschen am Teichweg 6 an. Wir haben Kinderkleidung dabei und Kosmetik – denn ein Teil der Menschen, die in Bernburg in Lagern untergebracht sind, bekommen personalisierte Gutscheine und können sich davon nur einen Teil ihrer Bedarfe kaufen. Eine Freundin weint und erzählt dabei, dass sie am Tag, an dem die Coupons ausgegeben werden, immer traurig ist. Traurig, weil es die willkürlichen Unterschiede, die gemacht werden, sichtbar macht zwischen denen, die Geld und denen, die Gutscheine bekommen.
Eine andere Freundin erzählt, dass am Wochenende jemand gebrochen hat und die Überreste bis Montag im Waschbecken waren. Andere berichten davon, dass sie sich die Waschräume mit allen Bewohner_innen der GU teilen müssen und es keine Schutzräume vor Übergriffen gibt. Dass es in der Unterkunft keine Räume, noch nicht einmal Waschräume, gibt, zu denen cis Männer keinen Zutritt haben. Viele Freund_innen haben auch Fragen zu Anweisungen, die die Ausländerbehörde macht. Wie beispielsweise zu einer Zahlung von 10€ im Monat, die keine_r erklären kann.

Dann erzählt einen Frau, dass Enni, die jetzt auch unten bei uns ist, vor zwei Wochen schon zum vierten Mal abgeschoben werden sollte. Sie ist Diabetikerin, erzählt sie selber und lag vergangene Woche mit Atemnot im Bett, als eine Mitbewohnerin sie fand. Sie wollte für Enni den Notarzt über die Lagerleitung rufen, diese lehnten aber mit der Aussage ab, dass die nächsten Tage abzuwarten seien.

Enni erzählt von einem Husten, den sie von November bis Februar hatte. Als sie Blut hustete, ist sie zu ihrer Hausärztin gegangen. Diese habe sie nicht verstanden, als sie ihre blutigen Taschentücher gezeigt hat. Die Ärztin habe dann gesagt, dass das ganz normal sei. „Noch nie hat mich ein Arzt richtig angeschaut oder abgetastet, als ich da war – noch nicht einmal T-Shirt hoch“, erzählt Enni weiter. Seit einiger Zeit kann sie nicht mehr gut schlafen. Die anderen Mitbewohner_innen bestätigen, dass sie mitbekommen, dass es Enni seit einiger Zeit nicht gut geht, aber nichts passiert. Enni erzählt von Schlaflosigkeit, von Schmerzen in Brust und Rücken, von Atemproblemen und Todesangst, die sie hat und fasst es nochmals zusammen: „Ich bin eigentlich eine witzige Person, wie ein Kind spiele und lache ich, aber jetzt bin ich richtig krank. Die anderen wissen, dass ich mich nie beklage, und wenn doch, dann geht’s mir richtig schlecht.“ Wir machen uns Sorgen, weil wir alle Enni ansehen, dass es ihr nicht gut geht.

Wir gehen gemeinsam zum „Eingang“ der GU Teichweg 6: am Eingang, der aus einem Zaun mit Klingel besteht, warten schon ein paar andere und ein Security ruft zwei Leuten sichtbar ungeduldig zu, was sie denn hier wollen würden? Wir fragen Francis* und Benoit*, die am Eingang stehen, ob sie hier wohnen. Sie bejahen. Wir fragen den Security, was das Problem sei. „Die sind nicht registriert, müssen zur Ausländerbehörde“, erwidert der, ohne uns anzugucken. Überhaupt werden hier alle ignoriert, außer, Menschen machen sich bemerkbar. Später treffen wir Francis und Benoit wieder. Auch von der Ausländerbehörde wurden sie ohne die nötigen Papiere wieder weggeschickt; sie sollen in ein paar Tagen wiederkommen. Das heißt, dass sie „ein paar Tage“ ohne Gutscheine, ohne eine Möglichkeit, Lebensmittel einzukaufen, auskommen müssen. Während wir uns weiter mit Enni, Francis und Benoit unterhalten, kommen noch andere Menschen ans Tor, deren Fragen widerwillig abgefertigt werden. Eine Person kommt und fragt nach einer Überweisung für einen Zahnarzt. Der Security kommt erst gar nicht mehr an Zaun, ruft der Person von ein paar Meter Entfernung zu, sie sei gerade doch schon dagewesen. Wir bekommen mit, dass fälschlicherweise eine Überweisung zu Hausärzt_innen ausgegeben wurde und die Person eine für Fachärzt_innen braucht und deshalb vergeblich bei den Zahnärzt_innen war und jetzt nochmals los muss.

Wir entscheiden gemeinsam mit Enni, dass etwas passieren muss, dass es ihr wieder besser gehen kann. Wir sagen zum Security, dass wir gemeinsam mit der Leitung sprechen wollen. Der Sozialarbeiter T. kommt nach ein paar Minuten raus und fragt, was wir wollen. Eine von uns sagt, dass es Enni ganz offensichtlich schlecht geht und sie eine Untersuchung braucht. T. sagt, Enni hätte diesen Monat schon eine gehabt. Wir beharren darauf, dass Enni behandelt werden muss und fragen, was dafür nötig ist. T. sagt, es sei gar kein Problem, Enni könne doch jederzeit zu ihrer Hausärztin. Enni weiß den Namen der Hausärztin nicht mehr, T. rennt ins Gebäude rein, kommt nach wenigen Minuten mit einem Zettel raus, hält ihn Enni hin und sagt: „Ich fahr Dich jetzt. Unterschreib mir das hier!“ Und dann: „Einsteigen, anschnallen.“ und fährt los.

Wir fahren zu zweit hinterher. Eine Person von uns betritt hinter T. die Praxis. Er dreht sich um: „Du musst wieder raus, hier darf man nur einzeln stehen.“ Ich mache keine Anstalten zu gehen, sondern die Tür hinter mir zu. Er: „Die werden dich gleich wieder rausschicken.“ Ich zucke mit den Schultern, er beschließt, mich wieder zu ignorieren. Die andere Begleitperson wartet währenddessen mit Enni draußen, die T. einfach dort stehengelassen hat, ohne Erklärung, mit der Ansage: „Du wartest hier.“ T sagt zur Person an der Rezeption: „Ja, ich hab hier mal wieder eine, die sagt, sie hat Rückenschmerzen, das kommt bestimmt von der Matratze, aber die haben ja immer was. Ruf an, wenn die fertig ist, dann hol ich sie wieder ab.“

Enni sagt draußen, dass sie seit ihrer Ankunft nie aufmerksam untersucht wurde und ihre Schmerzen bisher nicht ernst genommen wurden. Wir gehen zu dritt rein und nehmen im Wartezimmer Platz. Enni wird aufgerufen und geht direkt zum Behandlungsraum. Eine Person von uns geht mit rein. Enni soll sich setzen, Ärztin stellt sich auf deutsch vor und weist begleitende Person an, zu übersetzen, weil sie selbst nur bruchstückhaft Englisch spricht. Enni war bisher komplett ohne Übersetzung bei dieser Ärztin gewesen. Enni beginnt von sich aus, zu erzählen. Enni sagt, dass die Rückenschmerzen dazu führen, dass sie Schmerzen in der Brust hat, nicht schlafen kann. Ich übersetze alles. Ärztin sagt etwas wie: „Ja, wir haben alle mal Rückenschmerzen.“ Ich sage ihr, dass sie Enni nochmal genauer untersuchen soll. Es ist offensichtlich, dass es Enni schlecht geht, die Haut ist aufgequollen. Ärztin weist Enni an, aufzustehen und ihr T-Shirt hochzuschieben. Ich übersetze und erkläre (Ärztin hat nichts erklärt), warum. Die Ärztin schaut mich während des Übersetzens ungeduldig an. Sie horcht an der Seite und am oberen Rücken ab und weist Enni an, tief ein und auszuatmen. Sie berührt Enni am Rücken kurz und unmotiviert und sagt, dass sie nichts auffälliges feststellen könne. Die Ärztin sagt, was denn am Rücken sein solle, Enni sei doch gerade mal 20. Enni sagt selbst, sie habe schwere Schmerzen und könne nicht schlafen und zeigt nochmal, dass ihre Haut „aufgeschwemmt“ ist. Ich sage, dass ich das selber von meiner Oma kenne, dass die Haut aufgeschwemmt ist und dass es alles mögliche sein kann. Die Ärztin wiederholt, dass Enni erst 20 sei und deshalb ausschließt, dass es etwas mit dem Herz sein könne. Enni zeigt, dass sie in der Brust Schmerzen habe. Ärztin hört daraufhin mit Stethoskop die Brust ab. Ich sage nochmal, dass doch etwas gefunden/diagnostiziert werden muss, wenn die Patientin über Schmerzen klagt und offensichtlich ist, dass es Enni nicht gut geht.

Die Ärztin willigt ein, dass Blut abgenommen und ein EKG angefertigt wird. Ich begleite Enni zum Blutabnehmen und übersetze; die Assistent_innen sprechen gar kein englisch. Wir nehmen nochmals Platz. Enni sagt, die Schwester hätte gesagt, dass am Arm etwas sei. Ich gehe zur Schwester und frage, was mit dem Blutdruck sei, der gemessen wurde. Daraufhin sagt die Schwester, dass Enni erhöhten Blutdruck habe. Als wir wieder im Wartezimmer sitzen, sagt Enni, dass es gerade schwer sei, zu Ärzt_innen oder ins Krankenhaus zu gehen, weil sie Angst hätten, dass Leute aus dem Camp Corona haben. (Enni wurde bei der Ärztin nicht auf Covid-19 getestet.) Enni wurde wieder aufgerufen, zur Ärztin zu gehen. Ich gehe mit. Enni setzt sich, ich stehe. Ärztin sagt, dass beim EKG alles in Ordnung sei, auch die Blutwerte seien gut (uns ist bis heute unklar, was getestet wurde). Urinprobe: der bereits getestete Teil sei in Ordnung, den Urin haben sie außerdem ins Labor geschickt; das Ergebnis käme in wenigen Tagen. Blutdruck sei etwas hoch, aber das könne auch an ihr (Ärztin) liegen, sie sei ja der „Aggressor“. Sie sagt, sie könne sich nur erklären, dass es mit dem Magen/der Speiseröhre zusammen hinge, das passiert schonmal, dass es dann brennt.

Enni beschreibt erneut ihre Schmerzen, aber die Ärztin meint erneut, es könne nur der Magen sein und Enni bekommt bereits Medizin für den Magen; diese solle sie statt einmal nun zweimal am Tag nehmen. Enni wiederholt, sie habe Schmerzen. Ich frage daraufhin die Ärztin, ob es nicht möglich sei, Schmerzmittel zu verschreiben. Sie willigt ein, Schmerzmittel zu verschreiben. Zu den Medikamenten (Einnahme, Menge) erklärt sie nichts. Wir versuchen es anschließend dem Rezept zu entnehmen und übersetzen für Enni ins Englische. Ich sage noch, dass wir gerne die Werte der Untersuchung mitnehmen wollen. Sie geben uns das ausgedruckte EKG. Die Assistentin sagt, sie habe T. angerufen, der Enni abhole.
Wir verlassen die Ärzt_innenpraxis. Enni und wir haben das Gefühl, dass sich die Ärzt_innen die Werte nicht richtig anschauen und die Schmerzen nicht ernst nehmen und versichern, es unseren Freund_innen zu zeigen, die Mediziner_innen sind.

Wir sind entsetzt über die Zustände im Lager Teichweg 6, Bernburg. Beim letzten Mal hatten wir schon die hygienischen Missstände, das aggressive Sicherheits-Personal der Firma LENDEX Security and Consulting und die fehlenden Rückzugsräume für Frauen und andere vulnerable Personen beobachtet [1]. Diesmal begleiteten wir eine Freundin mit chronischen Erkrankungen, die noch Ende März nach Italien (!) abgeschoben werden sollte, zu einer Ärztin.

Was wir hier beobachten, steht nur beispielhaft für die Gefahr, die von einer rassistischen Gesundheits-Versorgung ausgeht. Dass schwer kranke Menschen nicht ernst genommen werden, ist nicht nur fahrlässig, sondern lebensgefährlich. Dass sie von einer Ärztin behandelt werden, mit der sie keine Sprache teilen, ist lebensgefährlich. Dass sie Medikamente verschrieben bekommen, und in keiner Weise über Dosierung oder Nebenwirkung aufgeklärt werden, ist lebensgefährlich. Dass sie statt Geld nur Gutscheine bekommen, mit der sie aber in keiner Apotheke bezahlen können, ist lebensgefährlich. Dass sie – besonders als Risikogruppe – in Zeiten von Corona personalisierte Gutscheine bekommen, ist lebensgefährlich. Dass sie in Zeiten von Corona ohne grundlegende Schutz-Vorkehrungen wie Masken auf dem engstem Raum zusammenleben müssen, ist lebensgefährlich.

Auch ohne Corona, auch ohne chronische Krankheiten, ist die Unterbringung in Lagern und die ständige Bedrohung durch Abschiebungen immer wieder tödlich. Seit Inkrafttreten der Quarantäne in Halberstadt und der Proteste durch Bewohner_innen warten Lagerleitung, Kreisverwaltung und Landesregierung weiter ab, dass das Virus immer mehr Menschen infiziert, statt die Forderungen [2] umzusetzen: Transfer! Dezentrale Unterbringung und Bewegungsfreiheit jetzt!

Solidarität endet nicht mit den Grenzen der #NachbarschaftsChallenge, vergessen wir nicht die Menschen in den Knästen, den Lagern, auf den Straßen, vor den Mauern Europas. Wir teilen den Aufruf [3] von We‘ll Come United, der Medinetze und Flüchtlingsräte von vor fast einem Monat: Gesundheitsversorgung heißt Lager schließen! Infektionsschutz für alle statt rassistischer Segregation!

* Alle Namen wurden selbstverständlich geändert.

[1]
[2]
[3]

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[Halberstadt] Die Gewalt ist strukturell! http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/16/halberstadt-die-gewalt-ist-strukturell/ http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/16/halberstadt-die-gewalt-ist-strukturell/#comments Thu, 16 Apr 2020 09:01:18 +0000 Administrator News Sachsen-Anhalt Bundesweit http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/16/halberstadt-die-gewalt-ist-strukturell/

15.4.2020

Gemeinsames Statement von Bewohner*innen und vom Antirassistischen Netzwerk Sachsen-Anhalt zur Gewalt in der ZASt Halberstadt

PM als pdf lesen

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In der Nacht von Sonntag auf Montag kam es in der „Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (ZASt)“ in Halberstadt zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen einigen Bewohner*innen. Diese Ereignisse wurden von der Presse polarisierend dargestellt und insbesondere Rechte schlachten die Vorkommnisse aus.

Unbeachtet bleibt jedoch, welchen Umständen Geflüchtete – nicht nur während der Corona-Pandemie – ausgesetzt sind: keine Privatsphäre, kein selbstbestimmter Alltag, Angst und Isolation prägen das Leben im Lager. Und zwar immer. 


Aus struktureller Gewalt wird körperliche Gewalt

Physische Auseinandersetzungen in Lagern sind allgegenwärtig und eine logische Konsequenz: Eine Flucht nach Europa ist eine Aneinanderreihung extrem belastender Momente, denen eine potentiell traumatische Situation im Heimatland vorausgeht. In Europa angekommen, werden Menschen mit teils jahrelanger Gewalterfahrung beengt in Camps und Lagern untergebracht, in Ungewissheit und ohne die Möglichkeit, Erlebtes zu verarbeiten. Ohne nötige Gesundheits- und Hygienemaßnahmen, die Möglichkeit, Essen selbst zuzubereiten oder Gegenstände des täglichen Gebrauchs selbst einzukaufen, erleben Geflüchtete in Lagern insbesondere die Quarantäne-Maßnahmen als unhaltbar. Extreme psychische Belastung und Anspannung kann dann zu körperlichen Auseinandersetzungen führen – unabhängig von Pass und Herkunft. Zu beobachten ist schließlich auch, dass seit der Corona-Pandemie Frauenhäuser aus allen Nähten platzen und häusliche Gewalt auch in deutschen Haushalten eine massive Gefahr darstellt. 


Mangelhafte Versorgung, chaotische Zustände und Infektionsgefahr in der ZASt

Die Situation in Halberstadt ist zurzeit besonders angespannt. Auf engstem Raum und bei schlechter Versorgung sind die Bewohner*innen dauerhaft isoliert und einer Ansteckung mit dem Corona-Virus ausgesetzt. Sie befinden sich seit dem 27. März dauerhaft in Quarantäne. Die Situation im Lager war schon vor der Corona-Pandemie schwer zu ertragen. Viele der über 800 Bewohner*innen sind schon seit Monaten dort untergebracht und berichten von Gewalt durch Polizei und Securities, von der ständigen Bedrohung durch Abschiebung, von Traumata, Angst, Isolation und Perspektivlosigkeit. Vier bis sechs Menschen teilen sich ein Zimmer, 850 Menschen teilen sich wenige Duschen, Toiletten und Küchen. 
Die schlechte Versorgungslage wurde auch nach den Protesten der letzten Wochen nicht behoben. Es fehlt noch immer an Grundnahrungsmitteln und Hygiene-Artikeln. Das Schlimmste wird gegenwärtig noch durch Spenden von verschiedensten Organisationen und Einzelpersonen abgewendet. Allerdings kann das keine Dauerlösung sein.


Isolation, Angst und Gewalt prägen den Alltag

Die Geflüchteten werden im Lager isoliert und eingesperrt. Sie fühlen sich wie Häftlinge. Gleichzeitig wird der Kontakt zu solidarischen Menschen und Unterstützungsstrukturen verhindert. Schließlich sind es diese Strukturen, die den reibungslosen Ablauf der Gewalt und Entrechtung stören und die Stimme und Forderungen der Bewohner*innen sichtbar machen.

Ein Bewohner der ZASt schildert die Situation so:
„Das Lager muss geschlossen werden oder die Gesetze müssen geändert werden. Das Leben in diesem beschissenen Lager ist nicht gut für die eigene körperliche und psychische Gesundheit. Vor allem für Erwachsene mit Familie und Kindern, die ein würdiges Leben führen wollen. Die meisten Menschen kommen gesund an und wenn sie hier wie Hunde zusammengesteckt werden, werden sie krank, wegen der unannehmbaren Toiletten und Duschen. Teilweise teilen täglich 500 Menschen 3 Toiletten, das ist ungesund und unmenschlich.
Im ganzen Block A funktionieren seit drei Monaten nur noch zwei Toiletten und nichts wird getan, um das zu ändern. Und wenn die Leute wütend oder frustriert sind, schickt die deutsche Regierung Polizei, statt mit den Asylsuchenden zu kommunizieren.“


Nein zum Lager – in Halberstadt und überall

Dass es in dieser Situation früher oder später zu gewaltvollen Auseinandersetzungen auch unter Bewohner*innen kommen würde, war absehbar und hätte durch eine dezentrale Unterbringung womöglich verhindert werden können. Nur ein Bruchteil der Bewohner*innen war an diesen Auseinandersetzungen beteiligt und das daraus entstehende Bedrohungsgefühl ist vor allem für vulnerable Personengruppen wie Frauen*, Kinder, Homosexuelle, Trans* und ethnische Minderheiten belastend.

Es ist besonders wichtig, jetzt solidarisch zu sein, Stereotypisierungen zurückzuweisen und abermals auf die untragbaren Zustände in der ZASt aufmerksam zu machen: die Gewalt geht nicht von den Bewohner*innen der ZASt aus – die Gewalt entsteht durch und im Lager!


Gegen jede Form von Lagerunterbringung, dezentrale Unterbringung jetzt – wir fordern die Schließung der ZASt und aller anderen Lager!

[Englisch]

The violence is structural!

Statement by residents and the Antiracist Network Saxony-Anhalt on the violence at ZASt Halberstadt

During the night from Sunday to Monday, physical clashes occurred between some residents at the „Central Reception Center for Asylum Seekers (ZASt)“ in Halberstadt. These events were polarized by the press and right-wing groups in particular are instrumentalizing the incidents.

However, the circumstances to which the refugees are exposed – not only during the Corona pandemic – remain unnoticed: No privacy, no self-determined everyday life, fear and isolation characterize life in these Lagers (camps). Always.

Structural violence transforms into physical violence

Physical confrontations in camps are omnipresent and a logical consequence: Being on the run and fleeing to Europe is a sequence of extremely stressful incidents preceded by a potentially traumatic situation in the country of origin. Once in Europe, people who went through years of experiencing violence are confined to camps and Lagers, in uncertainty and without the possibility to process what they have experienced. Without the necessary health and hygiene measures, without the possibility to prepare food themselves or to buy everyday items, refugees in camps experience the situation, and especially the current the quarantine measures, as untenable. Extreme psychological stress and tension can then lead to physical confrontations – regardless of passport and origin. Just like it can be observed that since the Corona pandemic women’s shelters are overcrowded and domestic violence is currently an increasing danger in German households.

Insufficient supply, chaotic conditions and risk of infection at ZASt

The situation in Halberstadt is particularly tense at the moment. In a confined space and with insufficient supplies, the residents are isolated and exposed to infection with the corona virus. They have been in permanent quarantine since 27th of March. The situation in the camp was already difficult to bear before the Corona pandemic. Many of the more than 800 residents have been housed there for months and report violence of police and security personnel. They live under the constant threat of deportation, in trauma, fear, isolation and lack of prospects. Four to six people share one room, 850 people share a few showers, toilets and kitchens.
Even after the protests of the last few weeks, the poor supply situation has not been improved. There is still a lack of basic food and hygiene articles. The worst is currently still being averted by donations from various organizations and individuals. This cannot be a permanent solution.

Isolation, fear and violence characterize everyday life

The refugees are isolated and locked up in the camp. They feel like prisoners. At the same time, contact with people in solidarity and support structures is prevented. After all, it is these structures that disrupt the flow of violence and discrimination and make the voice and demands of the inhabitants visible.

A resident of the ZASt describes the situation like this:

„The camp must be closed or the laws changed. Life in this shitty camp is not good for our physical and mental health. Especially for adults with family and children who want to live a decent life.

Most of the people arrive healthy and when they are put together here like dogs they get sick because of the unacceptable conditions of the toilets and showers. Sometimes 500 people share 3 toilets every day, which is unhealthy and inhuman.

In the whole block A only two toilets have been working for three months and nothing is being done to change that. And when people are angry or frustrated, the German government sends the police instead of communicating with the asylum seekers.“

Against Lagers – Close the camps in Halberstadt and everywhere

It was foreseeable that in this situation, sooner or later violent clashes would occur among residents which could possibly have been prevented by decentralized accommodation. Only very few of the residents were involved in these conflicts, but the resulting feeling of threat is particularly traumatizing for vulnerable groups such as women, children, homosexuals, trans and ethnic minorities.

It is especially important to show solidarity, to reject stereotyping and to draw attention to the intolerable conditions in the camp: The violence does not originate from the inhabitants of the camp – the violence is caused by and in the camp!

Against any form of camp accommodation; decentralized accommodation now – we demand the closure of the ZASt and all other camps!

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[Halberstadt] Presseschau http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/16/halberstadt-presseschau/ http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/16/halberstadt-presseschau/#comments Thu, 16 Apr 2020 08:46:10 +0000 Administrator News Sachsen-Anhalt Bundesweit http://antiranetlsa.blogsport.de/2020/04/16/halberstadt-presseschau/
Karlsruhe, 5.4.2020

Presseschau

*Einzelne Bewohner noch isoliert Kreis hebt Quarantäne für Zast Halberstadt auf, MZ, 3.5.2020

*Video: Eingesperrt und ausgeliefert, Monitor, WDR, 30.4.2020

*Keine Korrekturen am Zast-Prozedere, Volksstimme, 29.4.2020
*Auch Geflüchtete haben ein Recht auf Sicherheitsabstand, SZ, 29.4.2020

*Ende für Asylunterkunft in Halberstadt?, MZ, 28.4.2020
*Breites zivilgesellschaftliches Bündnis formuliert Diskussionpapier zur Unterbringung von Geflüchteten unter Pandemiebedingungen, 28.4.2020

*Aus der ZAST Halberstadt ins nächste Containercamp, Radio Corax, 27.4.2020

*117 Corona-Fälle in der Zast Halberstadt, Volksstimme, 24.4.2020

*Quarantäne in einer Massenunterkunft, Zeit, 23.4.2020
*Der fehlende Abstand wird zum tödlichen Risiko, Tagesspiegel, 23.4.2020

*United we talk. Tear Down Borders: #LeaveNoOneBehind No.2, 22.4.2020

*Flucht aus der Zast und neue Infektionen, Volksstimme, 21.4.2020

*Zusammengepfercht und isoliert, Junge Welt, 20.4.2020
*»Hier passiert eine Katastrophe«, Marx21.de, 20.4.2020
*Zast-Bewohner flüchten aus Quarantäne, Volksstimme, 20.4.2020
*Unter Quarantäne: Bewohner aus Zast auf Feldweg erwischt, SZ, 20.4.2020

*Video: Kundgebung Halle gegen Rechts: Zast Halberstadt schließen!, 19.4.2020

*Neue Corona-Fälle in der Zast: Schließung gefordert, SZ, 18.4.2020
*Neue Corona-Fälle in Halberstadt Demonstranten in Halle fordern Schließung der Zast, MZ, 18.4.2020
*Video: Demo in Halle für dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge, 18.4.2020
*Proteste für Schließung von Zast, Volksstimme, 18.4.2020
* Interkulturelles Frauennetzwerk näht Masken für Geflüchtete der ZASt, MDR, 18.4.2020
*Demonstration in Halle unter Quarantäne-Beschränkung, MDR, 18.4.2020

* 41 neue Infektionen in zentraler Flüchtlingsunterkunft, MZ. 17.4.2020
*Politische Bewertung der Quarantäne in der ZASt in Halberstadt, Radio Corax, 17.4.2020

* Asylbewerber unter Quarantäne, DLF, 16.4.2020
*„Man sieht tatenlos zu“, Süddeutsche, 16.4.2020

*Geflüchtete in Quarantäne: Landesverwaltungsamt reagiert auf Missstände in ZASt Halberstadt, Hallespektrum, 15.4.2020

*Staatlicher Rassismus im Umgang mit Geflüchteten in der Corona-Krise, RLS, 14.4.2020
*Weitere Maßnahmen in der ZASt, Pressemittelung des LVA, 14.4.2020
*Corona-Tests alle zwei Tage, MZ, 14.4.2020
*150 Migranten geraten in Zast aneinander, Volksstimme, 14.4.2020
*Mehr Polizei nach Ausschreitungen in Zast, Volksstimme, 14.4.2020
*Coronavirus: Mehrfache Tests für Bewohner Erstaufnahmelager, SZ, 14.4.2020

*Neue Corona-Fälle in der Erstaufnahme: Quarantäne verlängert, Süddeutsche, 9.4.2020
*Keiner rein, Keiner raus, Spiegel, 9.4.2020
*Zu den aktuellen Zuständen in der ZASt in Halberstadt, Radio Corax, 9.4.2020
*Flüchtlingsrat: Probleme in ZASt Halberstadt waren vorhersehbar , MDR, 9.4.2020
*Flüchtlinge zetteln erneut Tumulte an, Volksstimme, 9.4.2020
*Hungerstreik in der Flüchtlingsunterkunft Halberstadt, 9.4.2020

*Stahlknecht gegen Verteilung der Geflüchteten im Land, 8.4.2020
*#LeaveNoOneBehind, Transit magazin, 8.4.2020
*Schwangere und Alte ziehen aus der Zast, Volksstimme, 8.4.2020

*Flüchtlinge im Hungerstreik, ND, 7.4.2020
*Zast-Randale bewusst angezettelt?, Volksstimme, 7.4.2020
*Kamp karantinada mülteciler açlık grevinde, Politika, 7.4.2020
*Tumulte in Zentraler Erstaufnahme, MDR, 7.4.2020

*Diskussion um dezentrale Unterbringung, MDR, 6.4.2020
*Polizeifotos für Rechte, TAZ, 6.4.2020
*Zast: Tumulte, Fragen, halbgare Fakten, Volksstimme, 6.4.2020
*ZASt Halberstadt: Hungerstreik und Kritik an Versorgung, MDR, 6.4.2020

*Aufbegehren gegen Quarantäne, TAZ, 5.4.2020
*Hungerstreik und Kritik an Versorgung, MDR, 5.4.2020
*MDR Heute, Video, 5.4.2020
*Offener Brief der Bewohner*innen der ZASt, 5.4.2020
*Aufbegehren gegen Quarantäne, TAZ, 5.4.2020
*Offener Brief der Fraktion Die Linke im Landtag an den Innenminister, 5.4.2020
*Essensration in der ZASt, Seebrücke MD, 5.4.2020

*Neonazis in der Polizei? im Einsatz in der ZASt, lsa-rechtsaussen, 4.4.2020
*Refuggees im Hungerstreik, Perspektive online, 4.4.2020
*Dezentralisierung jetzt! Offener Brief des antiranetlsa, 4.4.2020
*Tumult in Halberstadt, MDR, 4.4.2020

*Zu sechst ein Zimmer, keine Seife. TAZ, 2.4.2020

*Mit 900 Menschen in Quarantäne – ZASt in Halberstadt, Radio CORAX, 30.3.2020

*Corona-Fall in Zentraler Anlaufstelle für Asylbewerber, Süddeutsche, 27.3.2020

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